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Der kostbare Glaube nach der Wahrheit Gottes: Kapitel 2.

Kapitel 2

Die Erschaffung der Welt und des Menschen

„Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt. Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk, alles hast du unter seine Füße getan: Schafe und Rinder allzumal, dazu auch die wilden Tiere, die Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meer und alles, was die Meere durchzieht. HERR, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen!“ (Ps 8:4-10).

Wie viel Weisheit und Verstand muss Gott haben, um ein solch komplexes Geschöpf wie den Menschen zu erschaffen? Zunächst allerdings schuf er das Universum (1 Mose 1:26-28; Ps 115:16; Ps 8). Doch auch dieses ist zeitlich (Hebr 12:25-27) und so stellt sich die Frage: Wenn die Schöpfung vergänglich ist, wozu hat Gott sie erschaffen? Was hat er davon? Zweifelsohne, mit der Erschaffung des Menschen hat Gott ein bestimmtes Ziel verfolgt, welches in der Apostelgeschichte 17,25-27 zum Ausdruck gebracht wird: „[…]. Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen, dass sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns.“

Die Erschaffung des Menschen wird in der Bibel sehr einfach beschrieben: „Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei […]. Da machte Gott der HERR den Menschen aus Staub von der Erde und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen“ (1 Mose 1:26; 2:7). Doch tatsächlich reicht unser begrenztes Vorstellungsvermögen nicht im Geringsten dafür aus, sich diesen Schöpfungsprozess vorzustellen: Gott nahm einen Erdenkloß, Ton oder Lehm (Jes 64:7; Hi 10:9) und „knetete“ einen Menschen daraus. Er schuf einen Kopf mit Augen, Ohren, Nase und Mund. Organe, die einzeln betrachtet ein Wunderwerk darstellen und die an Komplexität kaum zu übertreffen sind. Allein das menschliche Gehirn besteht aus Milliarden von Hirnzellen! Und welch ein Geheimnis stellen die Gefäße dar, in denen sich die Seele befindet! Das alles hat Gott aus Staub erschaffen. Um wie viel geheimnisvoller ist es, dass Gott dem Menschen den Atem des Lebens einhauchte und alle Organe plötzlich zu arbeiten anfingen? Welchen Anteil hat der Mensch an seiner Schöpfung und was konnte er dazu beitragen, um leben, atmen, denken und fühlen zu können? Rein gar nichts! Die Erschaffung des Menschen ist allein Gottes Hände Werk. Sie zeugt von einem göttlichen Verstand, der höher ist als alles, was wir uns vorstellen können. Aber nicht nur die Erschaffung eines sichtbaren, physischen Leibes, sondern das Leben im Menschen, der inwendige, geistliche Mensch, zeugt von dieser Kraft und Weisheit (1 Kor 15:44-46). Doch wozu das alles? Die Bibel gibt eine klare Antwort darauf. Sie beginnt mit der Schöpfung des Menschen (1 Mose 1:26) und endet mit der Beschreibung der heiligen Stadt Jerusalem: „[…] das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabfahren, bereitet als eine geschmückte Braut ihrem Mann […]“ (Offb 21:1-5).

Gott erbaut sich aus Menschen sein Haus (Eph 2:19-22; 3:1-12). Durch Jesus Christus werden die Gläubigen zu lebendigen Steinen in der heiligen Stadt Jerusalem (1 Petr 2:5), in welcher Gott zusammen mit den Menschen in voller Harmonie und Liebe ewig leben möchte (2 Kor 6:16-18; 1 Kor 3:16 f.). „Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben“ (1 Kor 2:9).

Welcher Mensch versteht, dass er nur ein Gefäß ist? „Sein Haus sind wir“ – darin liegt die Bestimmung des Menschen. Er ist dazu erschaffen, um Gott in sich aufzunehmen. Nur so erfüllt er seine Bestimmung. „Denn jedes Haus wird von jemandem erbaut; der aber alles erbaut hat, das ist Gott. Mose zwar war treu in Gottes ganzem Hause als Diener, […] Christus aber war treu als Sohn über Gottes Haus. Sein Haus sind wir, wenn wir den Freimut und den Ruhm der Hoffnung festhalten“ (Hebr 3:4 f.).

Das ist auch der Grund, warum wir leben: ein neuer Mensch, eine geistliche und heilige Kreatur soll entstehen. Diese neue Kreatur verkündigt der ganzen Welt Gottes Vollkommenheit. Sie zieht als göttliche Herrlichkeit zum Wohlgeruch Gottes in sein Haus ein, um dort ewig mit Gott zu leben. Ein solcher Mensch wird auf ewig selig sein.

Woraus besteht der Mensch?

Wie kann man wahrhaftig Gottes Gefäß werden? Wo vollzieht sich dieses Geheimnis im Menschen? Um diese Frage zu beantworten, ist es zunächst wichtig zu verstehen, wie ein Mensch funktioniert und wie er aufgebaut ist.

So wie Gott dreieinig ist (1 Joh 5:7), so ist auch jeder Mensch dreieinig. Gott hat den Menschen nach seinem Bilde geschaffen (1 Mose 1:26). Dies bezeugt die Bibel: „Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für das Kommen unseres HERRN Jesus Christus“ (1 Thess 5:23). Der Mensch besteht aus dem sichtbaren Teil, dem Leib, sowie der Seele und dem Geist. Der Körper kann alleine ohne Seele und Geist nicht existieren, genauso benötigt auch der Geist des Menschen einen Körper, denn dieser bringt das Inwendige zum Ausdruck. Dies alles bildet eine harmonische Einheit und macht den Menschen als Ganzes aus.

Als Gott den Menschen erschuf und ihm den Odem des Lebens in die Nase blies, wurde der Mensch eine lebendige Seele (1 Mose 2:7), eine Persönlichkeit, ein „Ich“. Dass die Seele die Persönlichkeit selbst ist, lässt sich an folgendem Beispiel erklären. Wenn sich eine Person mit jemandem unterhält oder eine Frage stellt, zu welchem der drei „Teile“ seines Gegenübers spricht dann diese Person: zum Geist, zur Seele oder zum Körper? Natürlich richtet er seine Frage an die Persönlichkeit des Menschen, die fähig ist zuzuhören, das Gesagte anzunehmen und dem Glauben zu schenken oder es abzulehnen. Dies zeigt, dass die Seele die Persönlichkeit des Menschen darstellt, die verantwortlich ist für sein Hier und Jetzt – für seine eigene Errettung. Doch was genau im Menschen muss sich retten? Der Herr antwortete darauf: „Seid standhaft und ihr werdet euer Leben gewinnen“ (Lk 21:19). „Geduld aber habt ihr nötig, damit ihr den Willen Gottes tut und das Verheißene empfangt“ (Hebr 10:36). Wer bringt Geduld auf? Wer soll den Willen Gottes erfüllen, um das Verheißene zu erlangen? Ist es die Seele – also die Persönlichkeit, der Geist – also das Gewissen, oder der Körper?

Über die Seele

Der Mensch ist eine eigenständige Persönlichkeit, ein Individuum. Diese Persönlichkeit besteht aus dem Verstand, dem Willen und den Gefühlen.

Jeder Mensch verfügt über einen Verstand. Dieser hat die Fähigkeit zu denken, zu überlegen und auszuwählen. Wenn man zum Beispiel mit einer Lehre in Berührung kommt, so nimmt man das Gehörte zunächst mit dem Verstand auf, indem man es hört. Ohne Verstand ist man nicht einmal in der Lage, etwas zu erfassen. Und schließlich nimmt der Mensch das an ihn gerichtete Wort an oder er lehnt es ab. Wenn im Gewissen des Menschen nicht Gott lebt, so hat der Mensch einen fleischlichen, seelischen Verstand/Sinn (1 Kor 2:14; Kol 2:18). Seine Gedanken sind fleischlich, denn es dreht sich alles nur um den eigenen Körper (Röm 8:5-8). Nimmt der Mensch den teuren Glauben nach Gottes Wahrheit auf, geschieht die Geburt durch das Wort der Wahrheit! Durch den Glauben an dieses Wort geschieht die Erneuerung der Sinne (Röm 12:2; Eph 4:23) und die Gedanken werden geistlich, der Mensch bekommt Christi Sinn (1 Kor 2:15 f.).

Der Wille des Menschen hängt unmittelbar von seinem Glauben ab und dieser Wille bestimmt seine Handlungen. Als im Garten Eden zu Adam und Eva das Wort Gottes kam, dass sie nicht vom Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen essen sollten, zeigte sich sofort die Fähigkeit der Seele zu glauben. Und sogleich äußerte sich auch der Wille, nämlich nicht davon zu essen! Doch dann kam ein anderes Wort, das der Schlange: „Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, sondern […] ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist“ (1 Mose 3:4 f.). So kam der Glaube an dieses Wort: „Und die Frau sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte.“ Der Glaube wurde in die Tat umgesetzt, der Wille äußerte sich: „Und sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er aß“ (1 Mose 3:6).

Somit können der Glaube und der Wille nicht ohne einander wirken. Der Glaube und der Wille werden zunächst immer durch ein Wort hervorgerufen, entweder durch das Wort der Wahrheit oder durch das Wort der Lüge. Je nachdem welches Wort der Mensch hört, offenbart sich sein Glaube und schließlich auch der Wille, nämlich das Wort anzunehmen oder auch nicht. Das heißt, der Glaube ist gewissermaßen das Triebwerk bzw. der Motor, und der Wille führt das aus, was der Mensch glaubt. Der Wille des Menschen agiert also nicht selbstständig, sondern hängt immer vom Wort des Glaubens ab.

Die Frage, die sich jeder Mensch beantworten sollte, ist: welchen oder besser gesagt wessen Willen erfülle ich?

Mit dem Verstand bemüht sich fast jeder Mensch dem Guten nachzukommen. Doch der Wille des Menschen ist der Sünde untertan, denn die Bibel sagt klar: Jeder, der die Lehre Christi nicht annimmt, sündigt und ist der Sünde Knecht (Joh 8:32-36; Röm 6:16 f.,20). Folglich hat der Teufel die Macht, den Menschen durch das Gewissen zu bösen Taten und Lügen zu verleiten. Ein Beispiel hierfür ist die Geschichte Israels: So sehr sie auch das ihnen von Gott gegebene Gesetz erfüllen wollten, sie konnten es nicht und sind immer wieder aufs Neue vom wahrhaftigen Gott abgefallen. Dies ist auch heute nicht anders: der Teufel macht sich im Menschen die Fleischeslust und den Stolz zunutze und macht sich den Menschen zum Knecht. Nur durch die Erkenntnis Christi – welcher den Menschen weder quält noch Zwang ausübt – nur so kann der Mensch wirklich zu einer freien Persönlichkeit werden, denn nur „wo […] der Geist des HERRN ist, da ist Freiheit“ (2 Kor 3:17). So jemand ist immer darauf bedacht, sich dem Geist des Herrn hinzugeben, sodass eine vollständige „Verschmelzung“ geschieht. Der Mensch wird durch den Heiligen Geist getrieben bis er schließlich „ein vollkommener Mann [wird], der da sei im Maße des vollkommenen Alters Christi, […]“ (Eph 4:13-16). Denn genau hierfür ist er auserwählt und berufen, nämlich den Willen Gottes zu erfüllen (1 Kor 6:17; Röm 8:9,14-17).

Die Gefühle des Menschen können ebenso einen rein fleischlichen Ursprung haben, wie zum Beispiel das Gefühl von Hunger, Wärme oder Kälte: „er […] sättigt sich, wärmt sich auch und spricht: Ah! Ich bin warm geworden, ich spüre das Feuer“ (Jes 44:16). Doch Gefühle können auch geistlicher Natur sein, denn auch Gott hat Gefühle. Gott ist Geist und seine Gefühle sind geistlich, wie zum Beispiel seine Liebe zum Volk: „Und der HERR, der Gott ihrer Väter, ließ immer wieder gegen sie reden durch seine Boten; denn er hatte Mitleid mit seinem Volk und seiner Wohnung“ (2 Chr 36:15). Auch sieht man Gottes Kompromisslosigkeit gegenüber Unwahrheit, Stolz und Bosheit: „Mein Auge soll ohne Mitleid auf dich blicken, und ich will nicht gnädig sein, sondern ich will dir geben, wie du verdient hast […]“ (Hes 7:9; Jer 13:13 f.).

„Ein jeglicher sei gesinnt, wie Jesus Christus auch war […]“ (Phil 2:5). Je nachdem wie sehr Christus den Menschen erfüllt, werden auch die Gefühle des Menschen so sein, wie Christi Gefühle: geistlich, himmlisch, gerecht, frei von Bosheit und Lüge und die Sinne werden geübt, Gutes und Böses voneinander zu unterscheiden (Hebr 5:14; Röm 14:17).

Über das Gewissen

In den Büchern des Alten Testaments wird das Gewissen nicht erwähnt, so als ob es dieses nicht gäbe. Das Alte Testament spricht von der Seele, dem Herzen und dem Geist (1 Mose 45:27 f.). Damit ist die Persönlichkeit, also die Seele eines Menschen gemeint. Vor dem Erscheinen Christi in dieser Welt war das Gewissen vor Gott tot (Röm 5:12). So wird das Gewissen erst im Neuen Testament erwähnt.

Heutzutage ist die Ansicht weitverbreitet, dass das Gewissen die „gute Instanz“ eines Menschen darstellt. Dieses Verständnis lehnt sich an folgende Bibelstelle an: „Aber die Schriftgelehrten und Pharisäer brachten eine Frau, beim Ehebruch ergriffen, und stellten sie in die Mitte und sprachen zu ihm: Meister, diese Frau ist auf frischer Tat beim Ehebruch ergriffen worden. Mose aber hat uns im Gesetz geboten, solche Frauen zu steinigen. Was sagst du? Das sagten sie aber, ihn zu versuchen, damit sie ihn verklagen könnten. […]. Als sie nun fortfuhren, ihn zu fragen, richtete er sich auf und sprach zu ihnen: Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie. Und er bückte sich wieder und schrieb auf die Erde. Als sie aber das hörten, gingen sie weg (von ihrem Gewissen überführt), einer nach dem andern, die Ältesten zuerst; und Jesus blieb allein mit der Frau, die in der Mitte stand. […]“ (Joh 8:3-11). In vielen christlichen Religionen wird diese Bibelstelle so gedeutet, dass die Schriftgelehrten und Pharisäer, die vom Gesetz Mose gelehrt waren, von ihrem Gewissen überführt wurden. Genauer gesagt, das Gute vom Gesetz richtete sie aus dem Gewissen heraus. Wer oder was richtete sie tatsächlich? Wer waren die Schriftgelehrten und Pharisäer überhaupt?

Sie waren die Feinde des Herrn und suchten nach dem richtigen Moment, Christus zu vernichten. Christus nennt sie „ihr Heuchler“, „übertünchte Gräber“ und „ihr Schlangen, ihr Otterngezüchte!“, ebenso „ihr verblendeten Leiter“ (Mt 23). Schlussendlich verurteilten und kreuzigten sie einen Unschuldigen, Jesus Christus! Die Pharisäer waren vollkommen vom Teufel getrieben. Wo befand sich der Teufel in diesen Menschen? Saß er auf der linken Schulter und flüsterte in das linke Ohr? Solche oder so ähnliche Theorien existieren heutzutage in Fülle. Die Frage, wo der Teufel im Menschen wohnt, wird nicht beleuchtet. Es wird nicht einmal der Gedanke zugelassen, dass der Teufel im Gewissen eines Menschen lebt.

Doch was sagt das Wort Gottes dazu? Der Herr spricht deutlich: „Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsches Zeugnis, Lästerung. Das sind die Dinge, die den Menschen unrein machen. […]“ (Mt 15:19 f.). Das Herz beinhaltet die Seele und das Gewissen. Mit der Seele ist der Mensch meist bemüht, Gutes zu tun, doch er tut letztendlich das, was in seinem Gewissen lebt. Denn die Kraft, die das Gewissen ausmacht, ist stärker als die Seele. Sie fesselt die Seele, nimmt sie gefangen, besiegt sie, so dass die Seele schlussendlich etwas tut, was sie eigentlich nicht machen will. Im Römerbrief sagt Paulus über den Menschen: „Ich elender Mensch! […]. So diene ich nun mit dem Verstand dem Gesetz Gottes, aber mit dem Fleisch dem Gesetz der Sünde“ (Röm 7:24-25). Wie ist es möglich, dass ein Mensch Gutes und Böses aus seinem Herzen hervorbringt? Dieser Zwiespalt im Menschen offenbart das Geheimnis des Gewissens, nämlich dass das Böse im Gewissen lebt und der Mensch genau davon frei werden muss: „[…], besprengt in unsern Herzen und los von dem bösen Gewissen […]“ (Hebr 10:22). Welche Funktion im Menschen hat nun das Gewissen? Die Seele eines Menschen bedarf immer einer inneren Stimme, die sie führt, genau das macht das Gewissen. Das Gewissen lenkt von innen, gibt Ratschläge, fordert auf – doch die Entscheidung für oder gegen etwas trifft immer die Seele. Das Gewissen ist somit der Kern der Seele, der Geist des Menschen. Es ist die Kraft, das Feuer des Lebens. Dieses Feuer hat Gott in den Menschen eingehaucht, nachdem er ihn aus Staub erschaffen hat (1 Mose 2:7; 1:26-28).

Das Gewissen kann mit anderen Worten auch als Gewissheit bezeichnet werden, als „sicheres Wissen“. Wissen ist immer ein Wort und das Wort ist Geist. Christus ist das Wort der Wahrheit, wie geschrieben steht: „und [ihr] werdet die Wahrheit erkennen […]“ (Joh 8:32). Löst man das Wort der Wahrheit durch den Glauben auf, so wird es zum Gewissen. So wird Christus zum Gewissen des Menschen, zum sicheren Wissen. Und da die Seele auf dem Gewissen ruht, ruht sie auf Christus, der das Fundament dieser Seele ausmacht. Genau das ist das Gewissen eines wahrhaftig gläubigen Christen.

Das Gewissen ungläubiger Menschen ist ebenso ein sicheres Wissen – das Wort der Lüge, der Teufel selbst oder wie geschrieben steht: das Gesetz der Sünde und des Todes. Dieses Wort ist immer am Wirken, es verführt den Menschen, treibt ihn an, redet auf die Seele ein. Doch insbesondere in unserer Gesellschaft ist der Mensch dahingehend (seelisch) erzogen, dass er weiß, was Gut und Böse ist. Er ist von klein auf geübt mit seiner Kraft, den Teufel in seinem Gewissen zu unterdrücken. Solange der Mensch bei Kräften ist und einen starken Willen hat, kann er dem inneren Drang widerstehen. Doch wenn man ihn verärgert, verliert der Mensch seine Selbstbeherrschung und der Teufel kommt direkt aus dem Gewissen heraus. Wenn der Mensch wieder „zur Besinnung kommt“, unterdrückt er den Teufel erneut mit seiner Willenskraft und beruhigt sich bis zum nächsten Mal. So ist es im Leben bis ins tiefe Alter, bis der Mensch schließlich die Willenskraft verliert und der Teufel sich unmittelbar äußert, so wie der Mensch schon immer gelebt hat. „[…] nach dem Geist, der […] sein Werk hat in den Kindern des Unglaubens“ (Eph 2:1 f.). Diesen Geist erkennt man immer daran, dass wenn die Wahrheit nach der Lehre des Herrn Jesus Christus gesagt wird, der Zuhörer sich zu widersetzen beginnt, sein Innerstes findet keine Zustimmung. So wirkt der Fürst dieser Welt in ihm, der Geist, der in der Luft und in den Kindern des Unglaubens herrscht.

Hier sieht man deutlich, dass sich die Seele immer auf dieses sichere Wissen, auf das Gewissen, stützt. Daher sagt der Mensch auch: „Ich bin mir sicher!“ Das spricht die Persönlichkeit, die Seele des Menschen, wenn die Seele auf dem Gewissen ruht. Die Seele bleibt aber verantwortlich dafür, wer im Gewissen lebt: Gottes Geist oder der Geist des Teufels.

Wenn Jesus Christus zum Gewissen des Menschen geworden ist, offenbart sich das Geheimnis des ewigen Lebens im Gewissen. Nun kann die Seele dem Gewissen vertrauen und sich leiten lassen. Anstelle des soeben beschriebenen inneren Kampfes und den Konfrontationen kommt die Seele zur völligen Ruhe. Die Früchte des Heiligen Geistes kommen zum Vorschein (Gal 5:22 f.). Dieser Zustand lässt sich wie folgt beschreiben: „[…]. Denn das Gesetz des Geistes, der lebendig macht in Christus Jesus, hat dich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes“ (Röm 8:1 f.) und „wer aber dem HERRN anhangt, der ist ein Geist mit ihm“ (1 Kor 6:17).

Jetzt kehren wir zu der Frage über die Schriftgelehrten und Pharisäer zurück. Das Gesetz, also das Gute, kann nicht im Gewissen leben, sondern die Seele hält sich mit dem Verstand an dem Guten fest. Die Schriftgelehrten hatten ein böses Gewissen, denn sie waren nicht treu, sie waren dem Herrn feind: „[…] hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer […]“ (Lk 12:1). Der böse Geist ist der Geist des Teufels, das heißt in ihrem Gewissen herrschte das Gesetz der Sünde und des Todes. So stellt sich die Frage, wer verurteilte sie aus dem Gewissen heraus? Natürlich der Teufel, der auf der Grundlage des Gesetzes einzig und allein damit beschäftigt war, sie zu verurteilen, dass sie Sünder seien. Sie verstanden, dass der Herr ihr Inneres kennt und wenn auch nur einer von ihnen einen Stein aufgehoben und die Frau damit beworfen hätte, so wäre er sofort vom Herrn aufgedeckt worden.

Des Weiteren könnte noch folgende Frage bezüglich Apostel Paulus aufkommen, der Gott (von seinen Vorvätern her) mit einem reinen Gewissen diente: Er war nach dem Gesetz unsträflich; doch wie wandelte er, als er Saulus war? „[…], wie ich über die Maßen die Gemeinde Gottes verfolgte und sie zu zerstören suchte […] und eiferte über die Maßen für die Satzungen der Väter“ (Gal 1:13 f.). „Und ich habe diesen Weg verfolgt bis an den Tod. Ich band sie und überantwortete sie ins Gefängnis, Männer und Weiber; […] und reiste nach Damaskus; um auch die, die dort waren, gefesselt nach Jerusalem zu führen, damit sie bestraft würden“ (Apg 22:4 f.). Wessen Geist wirkte in ihm? Nach dem Gesetz war er unsträflich, er konnte sich sogar des Fleisches rühmen (Phil 3:4-6). Das Gewissen konnte ihn nicht richten, da er so eifrig das Gesetz erfüllte, dass der Teufel nicht die Möglichkeit hatte ihn zu verurteilen und zu richten. Dennoch wirkte in seinem Geist (in seinem Gewissen) die Kraft zu töten und die Gemeinde zu zerstören. Doch er tat dies alles in Unwissenheit. Daher lehnte er die Gerechtigkeit nach dem Gesetz ab (hat es für Schaden gerechnet); er achtete es für Kot, um Christus zu gewinnen (Phil 3:8).

Über den Leib

„Denn »alles Fleisch ist wie Gras und alle seine Herrlichkeit wie des Grases Blume. Das Gras ist verdorrt und die Blume abgefallen; aber des HERRN Wort bleibt in Ewigkeit« (Jes 40:6-8). Das ist das Wort, welches euch verkündigt ist“ (1 Petr 1:24 f.).

„Denn der Staub muss wieder zur Erde kommen, wie er gewesen ist, und der Geist wieder zu Gott, der ihn gegeben hat. Es ist alles ganz eitel, sprach der Prediger, ganz eitel“ (Pred 12:7 f.). „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde wirst, davon du genommen bist. Denn Staub bist du und zum Staub kehrst du zurück“ (1 Mose 3:19).

Der physische Leib spielt eine zentrale Rolle im Leben aller Menschen. Während er für den seelischen Menschen das Wichtigste überhaupt ist, ist im Leben eines Gläubigen Christus der Mittelpunkt, weil in ihm das Geheimnis des Lebens verborgen ist. Trotzdem sollte die Rolle des Leibes, ohne den kein Mensch existieren kann, nicht unterschätzt werden. Denn damit ein geistlicher Mensch nach dem Ebenbild Gottes erschaffen werden kann, ist der seelische Mensch, der sich dann in einen geistlichen verwandeln kann, notwendig. „Es wird gesät ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib. Gibt es einen natürlichen Leib, so gibt es auch einen geistlichen Leib. Wie geschrieben steht: Der erste Mensch, Adam, »wurde zu einem lebendigen Wesen« (1 Mose 2:7) und der letzte Adam zum Geist, der lebendig macht. Aber nicht der geistliche Leib ist der erste, sondern der natürliche – danach der geistliche. Der erste Mensch ist von der Erde und irdisch, der zweite Mensch ist vom Himmel. Wie der irdische ist, so sind auch die irdischen; und wie der himmlische ist, so sind auch die himmlischen“ (1 Kor 15:44-48).

Zu Beginn der Menschheit „[…] machte Gott der HERR den Menschen aus Staub von der Erde und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen“ (1 Mose 2:7). Dieser Mensch war seelisch und konnte nur das wissen und erleben, was seinen Körper betraf: Wärme, Kälte, Hunger, Durst, Müdigkeit, körperliche Nähe. Sein Leben unterschied sich vom Leben eines Tieres nur in einem Punkt: Der Mensch verfügte über die geistige Fähigkeit, überlegen, vergleichen, abwägen und sich entscheiden zu können.

So lebten die Menschen im Garten Eden bis zu dem Zeitpunkt, als Gott der Herr ihnen ein Gebot gab. Sie glaubten dem Wort und befolgten es. Sie hielten sich an das Wort bis zu dem Moment, als eine irdische Versuchung kam, ein anderes Wort, dass das Gegenteil behauptete. Dieser Lüge glaubten sie, vollzogen die Handlung – indem sie von der Frucht aßen – und starben somit für Gott. Das Leben nach dem Fleisch hielt Einzug im Menschen.

Das Leben nach dem Fleisch ist nicht mit dem physischen Leben im Leib gleichzusetzen. Der physische Leib hat seine natürlichen Bedürfnisse, die befriedigt werden müssen, um existieren zu können. „Sorgt für den Leib nicht so, dass ihr den Begierden verfallt“ (Röm 13:14) – hier sind nicht die natürlichen Bedürfnisse des Körpers gemeint. Das Leben nach dem Fleisch ist der Glaube im Menschen, dass sich alles nur um den Leib, die eigenen Lüste und Begierden dreht. Dieser Glaube hat das Wesen des alten Adam (das Leben dieser Welt) gebildet. Es ist das, was heute alle Menschen antreibt. Ein Leben, das sich nur um den Körper dreht und über welches Johannes schreibt: „Habt nicht lieb die Welt noch was in der Welt ist. Wenn jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Denn alles, was in der Welt ist, des Fleisches Lust und der Augen Lust und hoffärtiges Leben, ist nicht vom Vater, sondern von der Welt“ (1 Joh 2:15 f.). So hat sich der menschliche Leib, der von Gott rein und frei von Stolz und Begierden erschaffen wurde, zum Leib des Todes verwandelt. In den Gliedern begann das Gesetz der Sünde und des Todes zu wirken. Paulus schreibt darüber: „Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem Leib des Todes?“ (Röm 7:24).

Die irdische Welt – ein Leben für den Körper

Die irdische Welt entwickelte sich sehr stark in dem Glauben, dass alles sich nur um den Leib drehe, so dass ein regelrechter Körperkult entstand: nur wenn dieser befriedigt wird, ist die Seele zufrieden. Die Menschen beten ihren Körper an, und wenn diesem etwas fehlt, verlieren sie die Ruhe und quälen sich solange, bis ihr Körper das bekommt, was er sich wünscht. Doch der Körper ist immer von Lust geprägt, sodass manche mit dem Essen oder Trinken übertreiben und andere wiederum ständig der neuesten Mode oder den neuesten Errungenschaften der Technik nachjagen. Einige sind von exzessivem Sport eingenommen, andere wiederum setzen alles daran, alle Arten von Entspannung und Urlaub zu erleben. Doch darin kommt der Mensch nie zur Ruhe, denn die Lust und die Begierden des Körpers sind unersättlich: „Aber die Gottlosen sind wie das ungestüme Meer, das nicht still sein kann und dessen Wellen Schlamm und Unrat auswerfen. Die Gottlosen haben keinen Frieden, spricht mein Gott“ (Jes 57:20 f.). Die Fleischeslust ist einfach maßlos: „Sie sind abgestumpft und haben sich der Ausschweifung ergeben, um allerlei unreine Dinge zu treiben in Habgier“ (Eph 4:19).

Dieser Glaube, dass es nur dieses eine Leben nach dem Fleisch gibt, mit dem physischen Körper im Mittelpunkt, prägt die Menschen in der Welt. Daher klingt es absurd, wenn man die Lehre Christi hört, die dazu aufruft, das Leben nach dem Fleisch abzulegen. „Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes, es ist ihm eine Torheit und er kann es nicht erkennen; denn es muss geistlich beurteilt werden“ (1 Kor 2:14).

Diese Lehre klingt wie eine Torheit, weil alles, was die Menschen in dieser Welt kennen, nur die irdischen Gefühle anspricht. Ob Leid oder Trost, Geduld oder Demut, Freude oder Trauer, Liebe oder Hass – alles hängt unbedingt mit dem Körper zusammen. Das alles ist: „Fleisches Lust und der Augen Lust und hoffärtiges Leben […]“ (1 Joh 2:16). Der Körper wurde aus Erde erschaffen, er wird deshalb immer vom Irdischen angezogen, das Irdische ist naheliegend und verständlich. Auch die Seele wurde vom Irdischen verführt und hat sich dem Körper unterworfen. Deshalb sind die Menschen dieser Welt absolut irdisch, ihre Gedanken, ihre Sehnsüchte, ihr Verhalten – alles ist irdisch und betrifft nur den physischen Menschen. Das muss man sehr gut verstehen, um das Wesen dieser Welt, den Kern des Lebens in dieser Welt zu sehen!

Die himmlische Welt – ein Leben nach dem Geist

Während das Leben nach dem Fleisch den Körper in den Mittelpunkt stellt, ist es im Leben nach dem Geist genau umgekehrt. Nichts dreht sich mehr um die Begierden des Leibes, ganz im Gegenteil – man muss für das Leben nach dem Fleisch sterben: „So sind wir nun, liebe Brüder und Schwestern, nicht dem Fleisch schuldig, dass wir nach dem Fleisch leben. Denn wenn ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben müssen; wenn ihr aber durch den Geist die Taten des Leibes tötet, so werdet ihr leben. […] Die aber fleischlich sind, können Gott nicht gefallen“ (Röm 8:12 f.,8).

Christus gibt jedem Menschen die Möglichkeit ein völlig anderes Leben zu leben – ein Leben nach dem Geist. Es ist das Leben des inwendigen Menschen, der von Gott geboren ist und bei dem sich der Leib dem neuen Lebenswandel unterordnet. Im Gewissen des Menschen lebt Gott und seine Seele ist, genauso wie der Leib, Gott untertan. In solch einem Leben dreht sich alles nur um Gott und für Gott. Der Mensch wird von Gott geleitet und lebt für ihn und durch ihn! Der Leib ist wieder rein und frei von Begierden und wird nur nach seinen natürlichen Bedürfnissen gepflegt. Nicht mehr die Seele wird vom Leib, sondern der Leib wird von der Seele geführt!

Gebt eure Leiber Gott als Opfer hin

„Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr die Becher und Schüsseln außen reinigt, innen aber sind sie voller Raub und Gier! Du blinder Pharisäer, reinige zuerst das Innere des Bechers, damit auch das Äußere rein werde!“ (Mt 23:25 f.).

Die Lehre unseres Herrn offenbart, dass man sich zuerst mit dem inwendigen Menschen, mit dem eigenen Gewissen, beschäftigen soll. Erst wenn das Gewissen rein ist, wird auch unser Äußeres, d. h. unser Leib, rein sein. Dann gilt: „Den Reinen ist alles rein; den Unreinen aber und Ungläubigen ist nichts rein, sondern unrein ist beides, ihr Sinn und ihr Gewissen“ (Tit 1:15). Die Unreinheit des Gewissens und des Verstandes rührt immer von einem unreinen Wort, einer falschen Lehre her: „[...] und nicht achten auf die jüdischen Fabeln und die Gebote von Menschen, die sich von der Wahrheit abwenden“ (Tit 1:14). Wenn man sein Herz vom unreinen Gewissen (Hebr 10:22) und den toten Werken (Hebr 9:14) gereinigt hat, wird für den Menschen alles rein, auch sein Leib. „Selig sind, die reinen Herzens sind […]“ (Mt 5:8). Die Vollkommenheit oder auch Reinheit wird nur im Gewissen erreicht (Hebr 9:9; 10:1-10,14). Und nur einen solchen reinen Leib bringt man Gott zum Opfer, nur das ist ein vernünftiger Gottesdienst: „[…], dass ihr euren Leib hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei“ (Röm 12:1). Ein unreiner Leib ist nicht lebendig und ist Gott nicht wohlgefällig, ein solches Opfer wird von Gott nicht angenommen.

Damit man von Gott geleitet wird, ist es notwendig, nicht nur sein Gewissen und seine Seele als Opfer hinzugeben, sondern auch seinen Leib. Dazu ist es notwendig, seinen Leib zu lenken, was Paulus so beschreibt: „Ich aber laufe nicht wie aufs Ungewisse; ich kämpfe mit der Faust nicht wie einer, der in die Luft schlägt, sondern ich bezwinge meinen Leib und zähme ihn, damit ich nicht andern predige und selbst verwerflich werde“ (1 Kor 9:26 f.). Das Leben von Apostel Paulus war Christus, er konnte sich nichts vorwerfen lassen (1 Kor 4:4), und trotzdem war es für ihn notwendig, seinen Leib zu bezwingen und zu lenken. Er hatte ein reines Herz, ein gutes Gewissen und folglich war auch sein Leib rein. Doch Paulus hat sich nicht ausgeruht, sondern hat stetig seinen Leib bezwungen und sich auf den Weg gemacht, seinen Dienst zu vollbringen. Obwohl er gesteinigt und geschlagen wurde, hat er immer weiter gemacht und gedient. Er suchte danach, sich opfern zu können. „[…]; ich jage ihm aber nach, ob ich's wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin“ (Phil 3:9-16).

Was für ein seliges Schicksal, sich für Christus zu opfern! „Und ich sah Throne und sie setzten sich darauf, und ihnen wurde das Gericht übergeben. Und ich sah die Seelen derer, die enthauptet waren um des Zeugnisses von Jesus und um des Wortes Gottes willen und die nicht angebetet hatten das Tier und sein Bild und die sein Zeichen nicht angenommen hatten an ihre Stirn und auf ihre Hand; diese wurden lebendig und regierten mit Christus tausend Jahre“ (Offb 20:4). Ein ähnliches Schicksal erwartet alle, die Christus treu bleiben! Und natürlich wird es notwendig sein, im Leib zu leiden! Den Leib wird man führen müssen, weil er nicht von sich aus leiden, hungern oder sterben will!

Wozu ist uns ein Leib gegeben?

„Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? […]; denn der Tempel […] seid ihr“ (1 Kor 3:16 f.). „Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört? Denn ihr seid teuer erkauft; darum preist Gott mit eurem Leibe“ (1 Kor 6:19 f.).

Ist mein Gewissen Christus und meine Seele dem Gewissen untertan, dann ist auch mein Leib ihm unterworfen und ist rein und heilig. Denn der Leib ist ohne den Geist tot. Der Leib trägt immer die Früchte des Geistes und macht das, was die Seele möchte (Jak 2:26).

Warum wird ausdrücklich betont: „preist Gott mit eurem Leibe“? Kann der Leib etwa unabhängig von der Seele etwas machen? Wäre es nicht ausreichend, zu sagen „preist Gott mit euren Seelen?“ Ist etwa die Seele selbstständig und kann unabhängig vom Leib etwas machen? Sie sind doch eins, zusammen machen sie den Menschen aus! Doch es ist ausdrücklich gesagt: „Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für das Kommen unseres HERRN Jesus Christus. Treu ist er, der euch ruft; er wird's auch tun“ (1 Thess 5:23 f.). Wenn wir den richtigen Glauben bewahren und den Lauf vollenden, wird Gott uns für sein Reich untadelig erhalten (1 Petr 1:3-9). Deshalb steht geschrieben: „Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge. Dem widersteht, fest im Glauben, und wisst, dass ebendieselben Leiden über eure Brüder und Schwestern in der Welt kommen“ (1 Petr 5:8 f.).

Auch wenn der Teufel keinen Raum im Menschen mehr hat, wird er um ihn herum gehen. Er weiß eben sehr gut, dass der Leib des Menschen aus Staub erschaffen ist und vom Irdischen angezogen wird. Deshalb wird der Teufel immer wieder versuchen, den Leib (und durch den Leib auch die Seele) dazu zu bringen, sich dem Irdischen hinzugeben: Das äußert sich zum Beispiel darin, dass man etwas Irdischem, wie Kleidung, Urlaub, Freizeit oder Familie eine besondere Bedeutung zumisst, oder es äußert sich in einer zu starken Konzentration auf den eigenen Körper und das eigene Wohlbefinden. Oft beginnt es mit Kleinigkeiten, für den Menschen ganz unbemerkt. Doch wenn der Teufel auch nur einen kleinen Raum gefunden hat, wird er umso mehr versuchen, seinen Einfluss zu vergrößern. Und genau deshalb haben die Apostel und der Herr selbst immer wieder davon gesprochen, dass wir wachen und nüchtern sein sollen. Denn unser Leib ist irdisch und es ist sehr leicht, ihn zum Irdischen zu verführen. Dass der Teufel nie müde wird und immer umher geht und den Menschen versucht und lockt – das ist auch an Jesus Christus selbst gezeigt. Der Teufel hat ihn nicht verlassen, bis sein Ziel erreicht war und Christus gekreuzigt wurde. Bis zum Schluss hat er versucht, Christus zu verführen und zu besiegen, ob er nicht doch noch sündigen würde. Und so war es auch mit vielen Heiligen, die sich selbst geopfert haben. Sie wurden verbrannt, geköpft, den Tieren zum Fraß vorgeworfen. „Andere haben Spott und Geißelung erlitten, dazu Fesseln und Gefängnis. Sie sind gesteinigt, zersägt, durchs Schwert getötet worden; sie sind umhergezogen in Schafpelzen und Ziegenfellen; sie haben Mangel, Bedrängnis, Misshandlung erduldet“ (Hebr 11:36 f.). Und das alles, weil der Teufel versuchte, ihren Glauben zu zerstören, um sie vernichten zu können! Apostel Paulus hat über sich gesagt: „Denn ich werde schon geopfert, und die Zeit meines Hinscheidens ist gekommen“ (2 Tim 4:6). Und was wurde geopfert? Der Leib von Paulus! Was haben die Getöteten und die Verbrannten geopfert? Ihren Leib! Als der Herr, der Geist der Weisheit, bei Gott war, sagte er: „[…] Opfer und Gaben hast du nicht gewollt; einen Leib aber hast du mir bereitet. […] Siehe, ich komme […], dass ich tue, Gott, deinen Willen“ (Hebr 10:5-7). Warum hat Gott Jesus Christus einen Leib gegeben? Damit er etwas hatte, um es zu opfern (Hebr 8:3). „Nach diesem Willen sind wir geheiligt ein für alle Mal durch das Opfer des Leibes Jesu Christi“ (Hebr 10:10).

Auch wir haben einen Leib, damit wir ihn Gott zum Opfer bringen können! Und wer wird dazu in der Lage sein? Das hängt nur von uns ab, davon, wie wir mit unserem Leib umgehen.

Wenn die Rede davon ist, sich selbst als Opfer darzubringen, dann denken viele an große Heldentaten. Dabei beginnt alles im Kleinen. Es ist vergleichbar mit den Schritten im physischen Leben: Wer die erste Klasse nicht besucht, wird die fünfte auch nicht schaffen. Wenn man nicht lernt, sich in kleinen Dingen zu opfern, wird man nicht fähig sein, sich im Großen opfern zu können. Das Opfern beginnt in alltäglichen Dingen: in der Beziehung zwischen Mann und Frau, zwischen Eltern und ihren Kindern, in der Schule, auf der Arbeit. Treue und Opferbereitschaft beginnen im Kleinen. Über mögliche Heldentaten lässt sich gut sprechen, doch wie ist es im Alltag? Sind wir bereit, unseren Leib zu opfern? Ist es der Herr, der uns immer führt oder übertönt die Stimme unseres Leibes alles andere? Die Seele denkt über Höheres nach: „Ich bin bereit zu sterben! Ich bin bereit zu leiden!“ Doch wenn der Ehepartner einen darum bittet, den Müll raus zu bringen oder etwas zu holen, wie sieht es dann aus? Wie verhalten wir uns im Alltag? Haben Widerstände, Ungehorsam und Faulheit noch Platz? Nur wer sich im Kleinen opfern kann, wird den Willen Gottes verstehen. Nur so kann man seine Stimme hören und sich von ihm führen lassen!

Deshalb, damit wir treue, gehorsame und geistliche Kinder Gottes sein können, hat uns der Herr unseren physischen Leib gegeben. Durch ihn lehrt, prüft, bestraft und begnadigt der Herr. Und das so lange, bis wir zu allen guten Werken fähig sind. „Nun aber schauen wir alle mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des HERRN wie in einem Spiegel, und wir werden verklärt in sein Bild von einer Herrlichkeit zur andern von dem HERRN, der der Geist ist“ (2 Kor 3:18).

Begreifen wir, dass uns der physische Leib nur einmal gegeben ist. Wie wir ihn lenken, hängt von unserem Eifer und Streben ab, dem Herrn und Gott wohlgefällig zu sein.

„So sind wir denn allezeit getrost und wissen: Solange wir im Leibe wohnen, weilen wir fern von dem HERRN; denn wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen. Wir sind aber getrost [demütigen uns] und begehren sehr, den Leib zu verlassen und daheim zu sein bei dem HERRN. Darum setzen wir auch unsre Ehre darein, ob wir daheim sind oder in der Fremde, dass wir ihm wohlgefallen“ (2 Kor 5:6-9).

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