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Jeder Mensch ist innerlich beladen, deshalb hat er keinen Frieden in sich. Diesen Unfrieden verteilt er meist unbewusst auf seine Mitmenschen, sei es zu Hause oder auf der Arbeit, denn nur sehr wenigen Menschen gelingt es, so eine Last allein mit sich herum zu tragen. Manchmal platzt sie geradezu aus dem Menschen heraus. Damit das nicht passiert, versuchen die meisten, die eigene Last mit den anderen zu teilen; stößt man dabei auf Mitgefühl und Verständnis, bekommt man eine gewisse Erleichterung im Herzen, zumindest für einen kurzen Augenblick.

Gerade weil jeder Mensch mit irgendeiner Last beladen ist, fängt man so einfach das „Feuer“ eines anderen Menschen ein. Auf diese Weise ergreifen die Unzufriedenheit, Streitigkeiten, Lästereien etc. eine Menge von Menschen und nehmen nicht selten solche Ausmaße an, dass es einem davor graut. So entstehen Mobbing, Scheidungen in der Familie, Kriege… Diese Liste kann man endlos fortsetzen.

„So ist auch die Zunge ein kleines Glied und rechnet sich große Dinge zu. Siehe, ein kleines Feuer, welch einen Wald zündet’s an! Auch die Zunge ist ein Feuer. Eine Welt voll Ungerechtigkeit. So ist die Zunge unter unsern Gliedern: Sie befleckt den ganzen Leib und setzt das ganze Leben in Brand und ist selbst von der Hölle entzündet. […] Woher kommen Krieg und Streit unter euch? Kommt’s nicht daher: aus euren Lüsten, die da streiten in euren Gliedern? Ihr seid begierig und erlangt’s nicht; ihr tötet und neidet und könnt nichts gewinnen; ihr streitet und führt Krieg und habt nicht, weil ihr nicht bittet; ihr bittet und empfangt nicht, weil ihr übel bittet, damit ihr‘s in euren Lüsten verzehrt“ (Jak 3,6-7; 4,1-3).

Wie tief sind diese Worte! Das Problem bzw. die Wurzel der Probleme im Zusammensein der Menschen liegt bei jedem Einzelnen verborgen. Interessant und zugleich erschreckend ist die Tatsache, dass etwas Kleines und auf den ersten Blick vielleicht sogar Unbedeutendes im Herzen eines Menschen zu wirken beginnt. Menschenmassen können durch eigene Überzeugungen und Mitteilungen mitgerissen werden und letztendlich richten sie sehr viel Unheil an. Eine Kraft, die die Menschen zuerst zueinander finden lässt, danach auseinanderbringt, Feindschaften oder gegenseitiges Bekriegen säht, ist hier sehr stark am Wirken. Diese Kraft hat die ganze Welt in ihrer Macht. Überall, wo man nur hinschauen kann, beobachtet man das gleiche Szenario: zwei Menschen oder eine Gruppe von Menschen, die die gleichen Interessen vertreten, finden zusammen, erleben anfangs sogar einen Aufschwung und finden viele Anhänger. Jedoch nach einem gewissen Zeitabschnitt erlöscht diese Flamme, es entstehen Streitigkeiten, Uneinigkeiten, Feindschaften und die Gruppe zerfällt oder zerteilt sich in andere kleine Interessensgruppen.

In dieser Welt gibt es nichts Beständiges. Wie kann es auch anders sein, wenn jeder einzelne Mensch in sich selbst unzufrieden und gespalten ist? Wie können dann zwei Menschen miteinander harmonieren, geschweige denn eine ganze Gruppe? Häufig stelle ich fest, wie schön es doch ist, dass es Gesetze bzw. Normen gibt, die das Leben in der Gesellschaft noch einigermaßen regeln können. Ansonsten hätten sich die Menschen gegenseitig längst vernichtet. Das ist eine Tatsache.

Was ist jetzt aber diese Kraft, welche die Menschheit in ihrer Macht festhält? Wenn auch manche behaupten, dass sie ihr Leben vollkommen im Griff haben und über ihr Schicksal selbst entscheiden, irren sie sich gewaltig. Die Selbstbestimmung äußert sich nur in einem Punkt: der Mensch kann sich für einen Glauben bzw. irgendein Ziel entscheiden. Mit anderen Worten, er gibt sich einem Wort hin, welches sein Leben im Endeffekt auch bestimmt. Dieses Wort bzw. eine gewisse Lehre können z.B. „Karriere machen“, „reich werden“, „Familie gründen“, „in die Politik gehen“, „ein Musiker werden“ etc. beinhalten. Hat sich der Mensch für einen bestimmten Weg entschieden, so macht er sich zu einem „Gefangenen“ dieses Zieles. Die Kraft, die dahintersteht, treibt ihn jetzt an. Diese Kraft formt den Menschen – seine Denkweise, sein Handeln. Hinter jedem Wort, welches wir hören, welchem wir dann Glauben schenken oder nicht, verbirgt sich eine Kraft. Diese Kraft ist der Geist und stärker als der Mensch. Die ganze Tragödie der Menschheit besteht darin, dass sie sich absolut nicht im Klaren ist, welcher Geist sie antreibt. Und es gibt ja nur zwei davon: Gottes Geist und der des Teufels – das Wort der Wahrheit und das Wort der Lüge. Jeder Geist entfaltet seine Wirkung im Herzen der Menschen. Gottes Geist bringt Frieden, Freude, Zufriedenheit, Einigkeit, Trost und Liebe mit sich, kurz gesagt, das wahre Leben. Denn Gott allein ist das Leben, welches er den Menschen geben kann. Der Teufel bewirkt das Gegenteil im Herzen, d.h. Unzufriedenheit, Streitigkeiten, Hass, Neid, Bosheit, Depressionen, Konkurrenz, Kriege, Mord etc. Dieser Zustand wird als Gesetz der Sünde und des Todes bezeichnet. Diese Sünde in den Menschen äußert sich durch das Verleugnen von Gottes Wesen, dem Unglauben an sein heilsames Wort. Die Konsequenz daraus ist klar: verleugnet man das wahre Leben, so bleibt man im Tod, der ebenfalls ewig ist.

Der Mensch wurde als ein Gefäß erschaffen, ein Gefäß, welches in sich ein Wort, einen Geist trägt. Ohne Wort können wir gar nicht leben. Ein Experiment von Friedrich II. hat mich sehr beeindruckt. Er wollte damals an neugeborenen Kindern erforschen, welche Sprache angeboren ist. Er isolierte eine gewisse Anzahl von Neugeborenen und befahl den Ammen, diese Kinder mit allem Nötigen zu versorgen, aber auf keinen Fall mit ihnen zu sprechen, sie zu umarmen oder zu kuscheln. Alle Kinder verstarben…

Welchem Wort glaube ich, wessen Knecht bin ich? Diese Fragen hören sich für viele Ohren sicherlich fremd an, verdienen aber eine ernsthafte Beachtung, weil die Antworten darauf mein eigenes Leben bestimmen.

„Wißt ihr nicht: wem ihr euch als Knechte hingebt zum Gehorsam, dessen Knechte seid ihr, dem ihr gehorcht, es sei der Sünde zum Tode oder dem Gehorsam zur Gerechtigkeit?“ (Röm 6,16).

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