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Tagtäglich sind wir mit dem Guten und dem Bösen konfrontiert. Von klein auf wird uns beigebracht, was gut und was schlecht ist. Aber wer stellt sich die Frage nach dem „Warum“? Was steht hinter dem Guten im Menschen und warum kann ein scheinbar guter Mensch gleichzeitig so viel Böses anrichten?

Zweifelsohne: Es gibt diese beiden Kräfte und sie sind am Wirken, und zwar in jedem Menschen dieser Welt. Scheinbar unsichtbar, aber doch für jeden klar zu sehen. Neid, Hader, List, Lüge – einerseits. Freundlichkeit, liebevoller Umgang, Zärtlichkeit – andererseits. Kein Mensch kann die Existenz von Gut und Böse leugnen.

Das Interessante dabei ist, dass jeder von uns im Grunde nur glücklich sein möchte. Das Böse lässt sich aber nicht ausschalten, ganz egal, wie sehr man sich anstrengt. Man schafft es, „gut“ zu anderen zu sein, bis zu einem Moment, an dem irgendetwas nicht nach Plan läuft oder einem missfällt. Und selbst wenn man seine entstandene Wut, seinen „temporären“ Hass nicht zeigt, sondern runterschluckt – Fakt ist, diese Gefühle sind real und können sehr viel Schaden anrichten. Global gesehen erkennt man das Böse an den ständigen Konflikten, die an unterschiedlichen Stellen der Welt stattfinden – pausenlos bekriegen sich die Menschen über Jahrhunderte hinweg. Im Kleinen sieht das jeder schon innerhalb der Familie. Streit, Wut, Hader und Trennungen. Warum eigentlich?

Der Gesetzmäßigkeit dieser Welt unterworfen

Schon bei kleinen Kindern lässt sich dieses Phänomen beobachten. Ungezügelt wird wild drauf losgehauen oder hysterisch geschrien. Woher kommen diese negativen Gefühle und Handlungen, die bereits die ganz Kleinen zum Ausdruck bringen? Diese Eigenschaften sind angeboren. Die Bibel fasst sie unter „dem Gesetz der Sünde und des Todes“ zusammen. Jeder Mensch erblickt das Licht der Welt mit diesem Gesetz, mit anderen Worten: er trägt diese Wesensart in sich. Es ist eine Gesetzmäßigkeit, aus der ein Mensch alleine nicht ausbrechen kann.

Der Sündenfall und seine Folge: Ihr werdet sein wie Gott

Die Geschichte der Menschheit begann mit einer vermeintlich harmlosen Lüge, als die Schlange im Garten Eden zu Eva sprach: „Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, sondern Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon esst, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist“ (1 Mose 3,4 f.). Was dann geschah, wissen alle: Der Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen war verlockend, und Eva aß davon und gab danach Adam davon zu essen. „Da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren, und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze“ (1 Mose 3,7). Die Lüge der Schlange, an die Eva geglaubt hatte, trennte den Menschen von Gott. Adam und Eva starben zwar nicht physisch, aber sie starben geistlich für Gott und ließen den Teufel in ihre Herzen hinein.

Von diesem Moment an war der Mensch „ein Gott“ und zum Schmied seines eigenen Schicksals geworden. „Ihr werdet sein wie Gott“ – dies zieht sich bis heute durch die gesamte Menschheit. Die Menschen sind „Götter“. Sie bauen ihr Leben im Hier und Jetzt auf, so als gäbe es keinen Tod. Die Menschen erforschen alles, sind alle miteinander vernetzt und können doch ihr geistliches Wesen nicht ändern. Sie ernten die Früchte des Sündenfalls fernab von Gottes Wahrheit: „Und wie sie es für nichts geachtet haben, Gott zu erkennen, hat sie Gott dahingegeben in verkehrten Sinn, sodass sie tun, was nicht recht ist, voll von aller Ungerechtigkeit, Schlechtigkeit, Habgier, Bosheit, voll Neid, Mord, Hader, List […]“ (Röm 1,28-32).

Der Tod ist zu allen Menschen durchgedrungen

Deshalb, wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und der Tod durch die Sünde, so ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben“ (Röm 5,12).

Durch die eine Sünde von Adam und Eva ist der Tod in alle Menschen übergegangen, vor Gott sind alle Sünder. Diese Sünde kann man in allen Menschen sehen: Durch das Böse, das in ihnen ist. „[…] Da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer“ (Ps 14,1-3).

„Wisst ihr nicht: wem ihr euch zu Knechten macht, um ihm zu gehorchen, dessen Knechte seid ihr und müsst ihm gehorsam sein, es sei der Sünde zum Tode oder dem Gehorsam zur Gerechtigkeit“ (Röm 6,16)?

Diese Sünde äußert sich im Menschen durch die Früchte der Sünde: man schreit seine Kinder an, wenn etwas nicht passt. Man beleidigt oder rächt sich für etwas. Man lügt sich etwas zurecht. Und vieles mehr. Oftmals sind aber auch diese Früchte für einen Menschen nicht auf Anhieb sichtbar, denn sie äußern sich vielleicht nur in Gedanken und werden mühevoll durch das „Gute“ zurückgehalten.

Was ist das „Gute“ im Menschen? Die Rolle des Gesetzes

Der Betrug der Menschen liegt darin, dass man glaubt, auch „gut“ zu sein. Vielleicht nicht ganz hundertprozentig, aber doch ein bisschen „gut“. Und dieses „gut“ beruhigt einen Menschen, auch wenn er überhaupt nicht versteht, was dieses „gut“ ist und woher es kommt. Der Mensch versteht nicht, dass dieser Funke „gut“ das Böse im Menschen, also das was tief in ihm verborgen ist und vielleicht nur ganz selten zum Vorschein kommt, niemals ändern oder gar reinigen kann.

Denn das Gute dieser Welt ist nur die andere Seite der Medaille – es ist nicht das wahre Wesen Gottes im Menschen, sondern lediglich ein Abbild davon. Das Gute dieser Welt basiert auf dem Gesetz, das Gott der Menschheit durch Mose gab. Mit dem Ziel, das Böse für eine Zeit zurückzuhalten, damit sich die Menschen nicht alle gegenseitig vernichten. Und damit ein Leben unter den Menschen ermöglicht wird.

„Was soll denn das Gesetz? Es ist hinzugekommen der Übertretungen wegen, bis der Nachkomme käme, […] Also ist das Gesetz unser Zuchtmeister gewesen auf Christus hin, damit wir durch den Glauben gerechtfertigt würden“ (Gal 3,19-24).

Durch das Gesetz lernte der Mensch das Gute vom Bösen zu unterscheiden. Das Gesetz legte einen Grundstein im Leben der Menschen und ermöglichte ein einigermaßen harmonisches Dasein. Bis heute konnte kein anderes Gesetz Moses Gesetz übertreffen – nahezu alle Bevölkerungsgruppen dieser Welt haben mehr oder weniger die Bestandteile dieses Gesetzes in ihre eigene Gesetzgebung integriert, ganz unabhängig davon, ob sie christlich geprägt sind oder nicht. Der Grundstein einer jeglichen Ordnung basiert auf diesem Gesetz, und somit auch jegliches Verständnis vom „Guten“ in einem Menschen.

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