An Römer 7 scheiden sich die Geister, im wahrsten Sinne des Wortes. Wer kennt nicht diesen Zustand des Richtens in sich? Wer kennt nicht den Zustand, dass er innerlich den Drang verspürt, auszuflippen, aber es nicht tut, weil sich das so nicht gehört? Weil es die Erziehung und die Norm verbieten? Das gilt für alle Menschen. Sehr viele christliche Glaubensrichtungen verstehen Römer 7 als einen Zustand, der von jedem neugeborenen Christen durchlebt wird. Begründet wird das häufig damit, dass Paulus hier von sich schreiben würde. Damit ist das natürlich auch eine Rechtfertigung für diesen Zustand, wenn sogar der „große“ Paulus so ist. Aber ist er wirklich so?

Vergisst man nicht gerade dabei, dass sich dieser Zustand schon immer im Menschen befunden hat, von Geburt an? Warum kennt jeder Mensch diesen Zustand und nicht nur Menschen, die einer christlichen Glaubensrichtung angehören? Ganz einfach, weil es der Zustand des sündigen Menschen ist! Bevor ich die Bibel las, habe ich mich überhaupt nicht verstanden. Ich wusste nichts vom Gewissen und von der Seele und deren Funktionen. Es war für mich einfach ein Einheitsbrei, einfach abgekürzt mit „ICH“. Der gebildete Mensch würde sagen sein „EGO“. Erst mit der Erkenntnis der Wahrheit habe ich verstanden, dass Römer 7 vortrefflich mein sogenanntes „ICH“ beschreibt. Und ich habe auch verstanden, dass dieser Zustand nichts mit dem Zustand eines neugeborenen Christen zu tun hat, und schon gar nicht mit Paulus, einem Apostel und Prediger Gottes! Denn dieser Zustand birgt immer Unruhe und Zwietracht im Herzen, da die Seele gegen den Geist streitet. In der neuen Kreatur sind die Seele und das Gewissen eine Einheit, es herrschen Frieden und Ruhe im Herzen.

„Denn das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude in dem Heiligen Geist“ (Röm 14,17).

Als ich den wahren Glauben angenommen habe, habe ich genau diesen Frieden und diese Ruhe erlebt. Ich habe mich plötzlich frei gefühlt und erst dabei realisiert, dass ich vorher diese Freiheit nie hatte, obwohl ich immer dachte, ich hätte sie. Wenn schon ein neugeborenes Kind, wie ich, diesen Frieden und diese Freiheit verspürt hat, macht das doch umso mehr deutlich, dass Paulus in Römer 7 nicht von sich sprechen kann (obwohl er „ICH“ schreibt), sondern vom alten Adam, dem gefallenen, irdischen Menschen. Er spricht davon schon in Vers 9: „Ich lebte einst ohne Gesetz…“ (Paulus hat immer unter dem Gesetz gelebt, bis er durch Christus selbst berufen und wiedergeboren wurde), der einzige Mensch der ohne Gesetz gelebt hat, war Adam! Der zweite Vers, aus dem hervorgeht, dass Paulus nicht von sich spricht, ist Vers 14: „Das Gesetz ist geistlich, ich bin aber fleischlich…“. Paulus war ein Prediger und Apostel, direkt von Christus berufen. Er war geistlich, er sagt sogar im 1. Korinther Kapitel 3 zu den Korinthern, dass sie noch fleischlich sind und er nicht mit ihnen geistlich reden kann. Genauso spricht er auch zu den Hebräern davon (Hebr Kap. 5). Paulus war auch frei vom Gesetz, was aus dem Galaterbrief hervorgeht (Gal 2,18), spricht aber hier von einem Menschen unter dem Gesetz.

Er spricht also von einem Menschen des alten Bundes, vom alten Adam, denn er beschreibt den Menschen, der nicht wiedergeboren ist. Woran wird das noch deutlicher? Vers 14: „…unter die Sünde verkauft“; Vers 17: „…sondern die Sünde, die in mir wohnt“; Vers 20: …sondern die Sünde, die in mir wohnt“; Vers 23: „…und hält mich gefangen im Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist“; Vers 24: „Ich elender Mensch! Wer wird mich erlösen von diesem Leib des Todes?“; Vers 25: „…So diene ich nun mit dem Verstand dem Gesetz Gottes, aber mit dem Fleisch dem Gesetz der Sünde“. Man kann hier nicht einfach darüber hinwegsehen, dass in diesem Abschnitt so viele Stellen aussagen, dass hier von einem Menschen gesprochen wird, in dem die SÜNDE noch lebt! All diese genannten Stellen sprechen für sich schon von einem Menschen voller Unruhe und Uneinigkeit! Paulus spricht in Römer 7 also auf keinen Fall von einem Zustand einer neuen Kreatur oder von sich selbst! Die Errettung hat der Mensch nur, wenn er die Heiligkeit in sich trägt. Wer sich im Zustand von Römer 7 als errettet ansieht, ist von einer falschen Lehre verführt und kennt die neue Kreatur, das LEBEN selbst, einfach nicht. Denn das Evangelium spricht doch von Frieden, Sanftmut, Freude und Einigkeit. Von der Reinheit des Gewissens und des Verstandes, von Gerechtigkeit und Heiligkeit – vom LEBEN selbst.

„So gibt es nun keine Verdammnis für die, die in Christus Jesus sind. Denn das Gesetz des Geistes, der lebendig macht in Christus Jesus, hat dich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes. […] Wenn aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot um der Sünde willen, der Geist aber ist Leben um der Gerechtigkeit willen. Wenn nun der Geist dessen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird er, der Christus von den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt“ (Röm 8,1-2; 10-11).

„Und das Leben ist erschienen, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das Leben, das ewig ist, das beim Vater war und uns erschienen ist –, was wir gesehen und gehört haben, das verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus. Und das schreiben wir, damit unsere Freude vollkommen sei“ (1 Joh 1,2-4).

Wer in sich hineinschaut und ehrlich zu sich ist, wird wissen, ob er den Zustand eines Heiligen hat. Oder aber er erkennt einen Zustand voller Unruhe, Bitterkeit und Zwietracht in sich. Ist es dann nicht an der Zeit, sich aufzumachen und Gott zu suchen? Um Frieden und Freude im Herzen zu haben?

„Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan“ (Mt 7,7).