Apostel Paulus lehrt uns, heilig zu sein, entsprechend unserer Berufung.
„Er hat uns selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf“ (2 Tim 1,9).

Was sind das für Werke, die der Heiligkeit entsprechen? Um diese Frage zu beantworten, sollte man sich zunächst fragen, ob man diese Berufung hat. Bin ich heilig? Und wer kann sich überhaupt heilig nennen?

Apostel Paulus richtet sich in seinen Briefen immer an die Heiligen. Anders kann es auch gar nicht sein, denn die Kinder Gottes können nicht unheilig sein. Gott gebiert nur Kinder, die ihm gleichen. Gott kann nichts Unheiliges gebären.

„Er hat uns geboren nach seinem Willen durch das Wort der Wahrheit, damit wir die Erstlinge seiner Geschöpfe seien“ (Jak 1,18).

„Er hat uns selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unsern Werken, sondern nach seinem Ratschluss und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt“ (2 Tim 1,9).

Das heißt, die Heiligkeit ist uns in Jesus Christus geschenkt. Mit anderen Worten: derjenige, der in Christus verborgen ist, ist heilig.

„Auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr gerettet –; und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus“ (Eph 2,5 f.).

Man kann noch sehr viel über die Heiligkeit schreiben, aber ich möchte mehr auf diese Frage eingehen: Wie sollten die Werke eines Heiligen aussehen? Und zwar solche Werke, durch die der Mensch seine heilige Berufung immer mehr festigt. Die Antwort scheint einfach: nach dem Geist zu handeln, so wie auch geschrieben steht: „Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Keuschheit […]“ (Gal 5). Wann bin ich aber fähig, nach dem Geist zu handeln? Nur dann, wenn ich ein Teil des Leibes Christi bin! Die Frucht des Geistes ist Jesus Christus in mir. Die heiligen Werke kommen nicht daher, weil ich mich so bemühe und anstrenge, sondern weil mein Geist mit dem Geist Christi vereint ist. Christus hat dies an einem Beispiel gezeigt: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun“ (Joh 15,5).

Und noch eine Bibelstelle, die klar zeigt, warum wir heilig sind:

„Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen“ (Eph 2,10).

Hieraus kann man schließen, wie der Leib Christi, seine Gemeinde, ist: nämlich absolut einig und vollkommen! Und Apostel Paulus fordert uns dazu auf, die Berufung der Heiligen zu festigen, indem wir in der Einigkeit wachsen:

„Und seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens: ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe; ein Gott und Vater aller, der da ist über allen und durch alle und in allen“ (Eph 4,3-6).

Im gleichen Kapitel ist die Rede davon, dass Gott Diener in seiner Gemeinde einsetzt. Und dies passiert aus einem Grund: damit die Glieder des Leibes in der Einigkeit wachsen.

„Damit die Heiligen zugerüstet werden zum Werk des Dienstes. Dadurch soll der Leib Christi erbaut werden, bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zum vollendeten Menschen, zum vollen Maß der Fülle Christi“ (Eph 4,12).

Wenn ich die Entwicklung des heutigen Christentums betrachte, sehe ich aber ein völlig anderes Bild. Die Einigkeit, von der die Schrift spricht, existiert nicht im Entferntesten. Ohne Zweifel: die wahren Christen hat es immer gegeben und gibt es immer noch. Ich spreche aber vom vorherrschenden „Christentum“, das in irdischen Dingen wie Politik, Wirtschaft, Krieg usw. verwickelt ist. Es existieren unzählige Gemeinden, die zwar die Einigkeit untereinander mit Worten bezeugen, in Wirklichkeit aber völlig uneins sind. Ihre scheinbare Einigkeit besteht darin, dass sie behaupten, die Gemeinde Jesus Christi sei „unsichtbar“. D.h. in jeder dieser Gemeinden, in all den zahllosen religiösen Richtungen, befinden sich quasi Heilige. Hier ein paar und dort ein paar und so ergibt sich eine große Gemeinde Christi. Ich würde so etwas als eine „imaginäre Gemeinde“ bezeichnen, denn sie ist nicht der Leib Jesu Christi, in dem die Heiligen mit einem Geist erfüllt sind und tatsächlich, „real“ einander dienen. Die Behauptung, alle aufrichtig Gläubigen, die über alle Konfessionen und Glaubensgemeinschaften hinweg „verstreut“ sind, würden die wahre Gemeinde Christi darstellen, ist grundlegend falsch. Das „Christentum“ entfernt sich mehr und mehr von der Einigkeit, anstatt darin zu wachsen. Und Spaltungen sind ein klares Merkmal irdischer Organisationen, in denen sich erst verschiedene Gruppierungen entwickeln, die sich dann nach und nach voneinander absondern. Wirkt etwa so der Geist Christi? Ich denke, die Antwort darauf findet man in der Heiligen Schrift.

Ich zweifle nicht daran, dass es viele, sogar sehr viele aufrichtig gläubige Menschen gibt! Das Problem liegt aber darin, dass das Leben nicht durch die Aufrichtigkeit, sondern durch den eigenen Glauben bestimmt wird. Paulus sagt zu den Hebräern: „Denn ich bezeuge ihnen, dass sie Eifer für Gott haben, aber ohne Einsicht. Denn sie erkennen die Gerechtigkeit nicht, die vor Gott gilt, und suchen, ihre eigene Gerechtigkeit aufzurichten, und sind so der Gerechtigkeit Gottes nicht untertan“. Auf diese Weise sind die Hebräer sogar zu Feinden Gottes geworden. Und heutzutage gilt dasselbe: alles wird dadurch bestimmt, woran du glaubst! Hast du die Gnade Gottes verstanden? Und die wichtigste Frage: hat dir dein Glaube die Heiligkeit gebracht? Ich meine damit die Heiligkeit als eine Frucht, nicht eine bloße Behauptung! Denn der Glaube ohne Werke ist tot. Mittlerweile bezeichnen sich viele als heilig, weil die Schrift es so lehrt. Ist es aber auch tatsächlich so, vor allem wenn man sich unvoreingenommen die eigenen Früchte (Werke) anschaut?

„Nun aber, da ihr von der Sünde frei und Gottes Knechte geworden seid, habt ihr darin eure Frucht, dass ihr heilig werdet; das Ende aber ist das ewige Leben“ (Röm 6,22).

Wenn nun meine Frucht die Heiligkeit ist und auch deine Frucht die Heiligkeit ist, dann werden wir unbedingt eins sein. Und gerade das fehlt in dieser Welt: Lasst uns das heutige Christentum mit einem unbefangenen Blick betrachten – welche Früchte hat es?

Dieser Blogbeitrag wurde aus dem Russischen übersetzt.

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