Christus Das Ende Des Gesetzes

Welche Rolle spielt für uns Christen heute das Gesetz und die Gebote? Wurde das Alte Testament mit seinen Geboten gänzlich aufgehoben oder nur teilweise? Wie ist zu verstehen, dass Christus einerseits das Ende des Gesetzes ist (Röm 10,4), andererseits aber das Gesetz aufgerichtet wird (Röm 3,31)?

Was sagt das Evangelium über das Gesetz?

„[…] Meister, welches ist das höchste Gebot im Gesetz? Jesus aber sprach zu ihm: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt« (5 Mose 6,5). Dies ist das höchste und erste Gebot. Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (3 Mose 19,18). In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten“ (Mt 22,35-40). Die Menschen waren jedoch nicht imstande, diese Gebote zu befolgen, denn in ihnen lebte eine Kraft, die sie unentwegt zum Übertreten der Gebote lenkte. Dadurch wurde das Gesetz immer mehr geschwächt und verlor mit der Erscheinung von Jesus Christus seine Gültigkeit: „Denn was dem Gesetz unmöglich war (sintemal es durch das Fleisch geschwächt ward), das tat Gott und sandte seinen Sohn in der Gestalt des sündigen Fleisches und der Sünde halben und verdammte die Sünde im Fleisch, auf dass die Gerechtigkeit, vom Gesetz erfordert, in uns erfüllt würde […]” (Röm 8,3 f.). Jesus sagte: „Das Gesetz und die Propheten reichen bis zu Johannes. Von da an wird das Evangelium vom Reich Gottes gepredigt, und jedermann drängt mit Gewalt hinein“ (Lk 16,16).

„Denn damit wird das frühere Gebot aufgehoben – weil es schwach und nutzlos war; denn das Gesetz brachte nichts zur Vollendung –, und eingeführt wird eine bessere Hoffnung, durch die wir Gott nahen. […] So ist Jesus Bürge eines viel besseren Bundes geworden“ (Hebr 7,18-22). „Denn durch des Gesetzes Werke wird kein Mensch vor ihm gerecht sein. Denn durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde“ (Röm 3,20). „[…] und in all dem, worin ihr durch das Gesetz des Mose nicht gerecht werden konntet, ist der gerecht gemacht, der an ihn glaubt“ (Apg 13,38 f.).

Christus ist des Gesetzes Ende

„Denn Christus ist des Gesetzes Ende, zur Gerechtigkeit für jeden, der glaubt“ (Röm 10,4). Das Gesetz ist aufgrund seiner Schwachheit aufgehoben worden. Es hat nichts zur Vollkommenheit gebracht und konnte nicht vom Gesetz der Sünde und des Todes befreien, sondern wurde zur Kraft der Sünde (1 Kor 15,56). Die Kraft der Sünde ist das Gesetz, da es vorschreibt, wie der Mensch zu sein hat und eben dadurch die Sünde im Menschen offenbart. Man bezeichnet das Gesetz auch als „toten Buchstaben“, da es kraftlos ist und die Sünde im Menschen nicht besiegen kann. Deshalb ist anstelle des Alten Testaments das Neue Testament getreten (Hebr 9,15). Jesus Christus ist der Mittler des Neuen Bundes, er ist der Hohepriester und der Diener am Heiligtum und am wahrhaftigen Zelt (der Gemeinde), welches der Herr aufgerichtet hat und nicht ein Mensch (Hebr 8,1 f.).

Das Gesetz war ein Abbild des Wahrhaftigen, eine Imitation des wahren Lebens, welches noch kommen musste (Jesus Christus). Es deutete zwar auf Christus hin, war aber nicht das Leben selbst. Wenn wir heute Christus als unser Leben haben, bekräftigen wir mit unserem Leben all das, was das Gesetz auch in sich verbarg und worauf es hindeutete. So wird das Gesetz durch Christus aufgerichtet (Röm 3,31). Zum Beispiel: das Lamm des Alten Testaments ist heute Jesus Christus, unser Passalamm (1 Kor 5,7). Oder das Verbot, Schweinefleisch, Pferdefleisch und Fisch ohne Flossen und Schuppen zu essen, bedeutet für uns heute, dass wir uns nicht von unterschiedlichen religiösen Lehren ernähren sollen. Das heißt mit unserem Leben bekräftigen wir, dass das Gesetz tatsächlich auf Jesus Christus hindeutete, wie geschrieben steht: „Ihr sucht in den Schriften, denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben darin; und sie sind’s, die von mir zeugen“ (Joh 5,39). Wir bekräftigen die Wirklichkeit, das wahre Leben, wovon das Gesetz lediglich ein Schatten war. „Denn das Gesetz hat den Schatten von den zukünftigen Gütern, nicht die Gestalt der Dinge selbst […]“ (Hebr 10,1).

Christus ist unsere Gerechtigkeit

„Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig“ (1 Petr 1,15 f.). Das gleiche forderte das Gesetz vom Menschen: Der Mensch musste aus eigener Kraft alle Gebote so erfüllen, damit er nach dem Gesetz heilig wird. Doch es war unmöglich, „denn durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde“ (Röm 3,20).

Um die Menschen aus ihrer Lage zu befreien, hat Gott seinen Sohn gesandt, um alle zu retten, die an ihn glauben. Jesus Christus hat die Sünde der ganzen Welt auf sich genommen. Er ist für alle Menschen gestorben, von den Toten auferstanden und wurde von Gott zu unserer Heiligkeit und Gerechtigkeit, die vom Gesetz gefordert war (1 Kor 1,30; Röm 8,1 f.). Auf diese Weise ist die Rechtfertigung des Gesetzes in uns – die wir nicht nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist leben – erfüllt worden (Röm 8,4). Christus starb für das Gesetz. So sind auch wir durch seinen Leib dem Gesetz gestorben und von diesem für immer frei geworden: „Also seid auch ihr, meine Brüder und Schwestern, dem Gesetz getötet durch den Leib Christi, sodass ihr einem andern angehört, nämlich dem, der von den Toten auferweckt ist […]. Nun aber sind wir vom Gesetz frei geworden und dem gestorben, was uns gefangen hielt, sodass wir dienen im neuen Wesen des Geistes und nicht im alten Wesen des Buchstabens“ (Röm 7,1,4-6).

Indem ein Mensch Jesus Christus annimmt, wird Jesus zur Heiligkeit und Gerechtigkeit des Menschen (1 Kor 1,30; Gal 3,26-28; Off 19,8). Während das Gesetz bestimmte Werke und Taten vom Menschen forderte, bietet das Neue Testament dem Menschen an, sich durch den Glauben Gott hinzugeben. Und da Gott selbst im Menschen wohnt, leitet er ihn nach seinem Willen (Röm 6,13,19-22; 12,1-8; 8,14; 15,17-19).

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