Frage

Wer kann mir diese Bibelstelle erklären?

„So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen. Denn die Schrift sagt zum Pharao (2. Mose 9,16): »Eben dazu habe ich dich erweckt, dass ich an dir meine Macht erweise und dass mein Name verkündigt werde auf der ganzen Erde.« So erbarmt er sich nun, wessen er will, und verstockt, wen er will. Nun sagst du zu mir: Was beschuldigt er uns dann noch? Wer kann seinem Willen widerstehen? Ja, lieber Mensch, wer bist du denn, dass du mit Gott rechten willst? Spricht etwa ein Werk zu seinem Meister: Warum hast du mich so gemacht? Hat nicht der Töpfer Macht über den Ton, aus demselben Klumpen ein Gefäß zu ehrenvollem und ein anderes zu nicht ehrenvollem Gebrauch zu machen“ (Römer 9,16-21)?

Und auch ich habe diese Frage: wofür beschuldigt er uns noch? Denn wer kann schon seinem Willen widerstehen? Ich verstehe nicht, wie Gott jemanden extra verstocken kann? Gott ist doch die Liebe und nach meinem Verständnis hat die Liebe nichts mit Grausamkeit zu tun. Ich habe immer gedacht, dass Gott allen Menschen komplett gleiche Rechte und Möglichkeiten gibt, sich zu retten. Er hat doch kein Ansehen der Person. Und ich denke, dass es sich hier entweder um eine falsche Übersetzung handelt, oder aber in diesen Worten steckt ein anderer Sinn dahinter und nicht der, den man zuerst vermutet. Eine andere Bibelstelle sagt, dass Gott niemanden mit Bösem versucht, sondern, dass jeder von seiner eigenen Lust versucht wird (Jak 1,13f).

Ich denke, dass Gott das Herz eines grausamen und bösen Menschen einfach weich machen kann. Oder aber er lässt das Herz so, wie es ist und lässt den bösen Menschen seine Wege gehen. Denn jeder hat doch die Freiheit und kann wählen. Vielleicht liegt darin der Sinn der Worte „So erbarmt er sich nun, wessen er will, und verstockt, wen er will?“

Marina

Antwort

Lev – Ein Meister hat die Macht über sein Gefäß
Hallo Marina, schau mal, in deiner Frage liegt bereits die Antwort. Wenn ein Meister etwas mit seinen eigenen Händen macht (ob es nun irgendein Tongefäß ist oder ein Musikinstrument oder sonst irgendeine Sache), hat er dann nicht die Macht über das, was er mit seinen eigenen Händen formt? Hat er denn nicht die Macht, dass er ein Gefäß auf den Tisch stellt, damit es bewundert wird und das andere in den Keller; dass er ein Gefäß bunt anmalt und das andere kaputt macht? Es wird doch seltsam sein, wenn das Gefäß nun plötzlich zum Meister sagt, warum bist du mit mir so und nicht anders umgegangen? Das ist vollkommen ausgeschlossen! Doch warum sagt der Mensch zu Gott, warum bist du mit mir so und nicht anderes umgegangen? Warum hast du dem einen Menschen etwas gegeben und dem anderen nicht?

Es gibt so eine Bibelstelle: „Esset nicht davon, rühret sie auch nicht an, dass ihr nicht sterbet! Da sprach die Schlange zur Frau: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, sondern Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon esst, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist“ (1 Mose 3,3-5). Somit sind die Menschen selbst wie Götter geworden. Sie denken, dass sie mehr als Gott lieben, dass sie gerechter und schlauer und vernünftiger als Gott sind. Deshalb kommen solche Fragen auf. D.h. das Gefäß sieht sich höher als der Meister und der Meister muss sich dem Gefäß unterordnen und die Wünsche des Gefäßes erfüllen. Ich hoffe du verstehst, dass es Irrsinn ist? Man könnte so etwas noch irgendwie nachvollziehen, wenn die Menschen wirklich Gott suchen würden, doch es steht geschrieben: Da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer. Da ist keiner, der verständig ist; da ist keiner, der nach Gott fragt. Alle sind sie abgewichen und allesamt verdorben. Da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer“ (Psalm 14,1-3; Röm 3,9-12).

Gott hat der gesamten Menschheit seine Gnade und seine Rettung geschenkt und die Welt weiß es. Es ist für sie überall sichtbar. „Denn Gottes Zorn wird vom Himmel her offenbart über alles gottlose Leben und alle Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten. Denn was man von Gott erkennen kann, ist unter ihnen offenbar; denn Gott hat es ihnen offenbart. Denn sein unsichtbares Wesen – das ist seine ewige Kraft und Gottheit – wird seit der Schöpfung der Welt, wenn man es wahrnimmt, ersehen an seinen Werken, sodass sie keine Entschuldigung haben“ (Röm 1,18-20).

Doch die Menschen brauchen Gott nicht, sie wollen ihn nicht suchen. Deshalb sucht Gott sich, durch seine große Gnade, irgendwelche Menschen aus dieser Welt aus. Und darin ist die Gerechtigkeit sichtbar. Er hat kein Ansehen der Person, so wie du auch geschrieben hast. Gott ist die Liebe. Verstehe diese Liebe Gottes zu dir, dass du sein Wort gehört hast, dass er dich nicht verstockt hat, sondern im Gegenteil, dich zu sich ruft. Sei ein vernünftiges Gefäß, damit Gott durch dich wirken kann. In diesen Bibelstellen, die du aufgeführt hast, sehe ich die große Liebe Gottes und seine Gerechtigkeit!

Der Verstand ist nicht das Organ, mit dem man Gott verstehen kann. Mit dem Verstand wirst du dein Leben lang versuchen, ihn zu verstehen und wirst es doch nie schaffen. Man muss wie ein Kind glauben, dann wird das Wort in dir wirken. Erst muss man das Wort glauben, danach versteht man es. Nicht andersrum, erst verstehen und dann glauben.

Lena – Wir alle waren verstockt, doch Gott hat uns begnadigt
Diese Bibelstelle „so erbarmt er sich nun, wessen er will, und verstockt, wen er will“ verstehe ich so: Nehmen wir einmal als Beispiel den Pharao, sein Herz war nicht weich, er hat Gott nicht geliebt. Sein Herz war grausam und mit den Worten, dass Gott sein Herz verstockt hat, ist gemeint, dass Gott ihm die Buße nicht gegeben hat. Er hat sein Herz nicht weich gemacht, sondern so gelassen, wie es war. Damit hat er seinen Willen für das israelische Volk vollzogen. So wie du auch geschrieben hast: „Ich denke, dass Gott das Herz eines grausamen und bösen Menschen einfach weich machen kann. Oder aber er lässt das Herz so, wie es ist und lässt den bösen Menschen seine Wege gehen. Denn jeder hat doch die Freiheit und kann wählen.“

Danke und rühme Gott dafür, dass er dir die Möglichkeit gegeben hat, die Wahrheit zu hören und zu verstehen. Denn wir alle waren unbrauchbar und verstockt gegenüber Gott. Er hat uns einfach begnadigt.

Hermann – Gott baut sich sein Haus
Deine Frage betrifft das Geheimnis vom Hausbau Gottes. In der religiösen Welt ist diese Frage sehr kontrovers und es gibt dort keine Einheit diesbezüglich. Damit man diese Frage versteht, muss man einfach wie ein Kind dem glauben, was geschrieben steht. Du hast eine Bibelstelle genannt, ich werde dir ein paar weitere Bibelstellen nennen. Wenn man sie liest und zu deiner Bibelstelle in Zusammenhang stellt, wird klar, dass der Mensch sich keinesfalls rechtfertigen kann, indem er sagt: „Gott wollte mich nicht nehmen, ich bin nicht unter den Auserwählten“.

„Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben“ (Joh 3,16).

„Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse. Wer Böses tut, der hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden. Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht, damit offenbar wird, dass seine Werke in Gott getan sind“ (Joh 3,19-21).

„Denn wenn der Gerechte sich abkehrt von seiner Gerechtigkeit und tut Unrecht, so muss er deswegen sterben; um seines Unrechts willen, das er getan hat, stirbt er. Wenn sich dagegen der Ungerechte abkehrt von seiner Ungerechtigkeit, die er getan hat, und übt nun Recht und Gerechtigkeit, der wird sein Leben erhalten. Denn weil er es gesehen und sich bekehrt hat von allen seinen Übertretungen, die er begangen hat, so soll er leben und nicht sterben. Und doch sprechen die vom Hause Israel: »Der Herr handelt nicht recht.« Sollte ich unrecht handeln, Haus Israel? Ist es nicht vielmehr so, dass ihr unrecht handelt? Darum will ich euch richten, ihr vom Hause Israel, einen jeden nach seinem Weg, spricht Gott der HERR. Kehrt um und kehrt euch ab von allen euren Übertretungen, damit ihr nicht durch sie in Schuld fallt. Werft von euch alle eure Übertretungen, die ihr begangen habt, und macht euch ein neues Herz und einen neuen Geist. Denn warum wollt ihr sterben, ihr vom Haus Israel? Denn ich habe keinen Gefallen am Tod dessen, der sterben müsste, spricht Gott der HERR. Darum bekehrt euch, so werdet ihr leben“ (Hesekiel 18,26-32).

„welcher will, dass alle Menschen gerettet werden und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen“ (1Tim 2,4).

„Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch! Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und euren sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? Hört doch auf mich, so werdet ihr Gutes essen und euch am Köstlichen laben. Neigt eure Ohren her und kommt her zu mir! Höret, so werdet ihr leben! Ich will mit euch einen ewigen Bund schließen, euch die beständigen Gnaden Davids zu geben. […] Suchet den HERRN, solange er zu finden ist; ruft ihn an, solange er nahe ist. Der Gottlose lasse von seinem Wege und der Übeltäter von seinen Gedanken und bekehre sich zum HERRN, so wird er sich seiner erbarmen, und zu unserm Gott, denn bei ihm ist viel Vergebung“ (Jes 55,1-3; 6-7).

„Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen, dass sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. […] Zwar hat Gott über die Zeit der Unwissenheit hinweggesehen; nun aber gebietet er den Menschen, dass alle an allen Enden Buße tun“ (Apg 17,26-27, 30).

„Denn es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen und erzieht uns, dass wir absagen dem gottlosen Wesen und den weltlichen Begierden und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt leben“ (Tit 2,11-12).

„Denn in ihm hat er uns erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war, dass wir heilig und untadelig vor ihm sein sollten in der Liebe; er hat uns dazu vorherbestimmt, seine Kinder zu sein durch Jesus Christus nach dem Wohlgefallen seines Willens“ (Eph 1,4-5).

Es gibt noch sehr viele Bibelstellen, die von der Liebe Gottes und davon, was Gott für die Rettung der Menschen getan hat, sprechen. Doch keiner will sich retten! Keiner geht zu Gott! So nimmt Gott dann selbst diejenigen, die er möchte. Wenn man zum Beispiel ein Haus bauen möchte, so kommt man ohne einen Plan nicht aus, oder? Wenn man ein Flugzeug bauen will, muss man alles bis ins kleinste Detail berechnen, wo welche Verbindungen durchgehen werden, wo welche Schrauben sitzen müssen usw. Und so handeln Menschen! Wie ist es dann bei Gott? Er baut sich ein Haus! Hat er etwa nicht vorher alles durchdacht? Schon vor Beginn der Zeiten war das Opfer Christi vorhergesehen! Können wir das mit unserem Verstand begreifen? Ich denke, dass ist unmöglich. Paulus spricht: „O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege! Denn »wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen«? (Jesaja 40,13) Oder »wer hat ihm etwas zuvor gegeben, dass Gott es ihm zurückgeben müsste?« (Hiob 41,3) Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen“ (Röm 11,33-36).

Wir können keinen kleinsten Zweifel darin haben, dass Gott in allem gerecht ist! Alles, was er macht, ist in der größten Vollkommenheit gemacht! Wir sind ein Teil seiner Schöpfung, seines Baues. Und wenn etwas unklar ist, muss man einfach demütig bleiben und auf Klarheit warten. Und es gibt auch Sachen, die uns, solange wir auf der Erde weilen, nie offenbar sein werden. Wie zum Beispiel die Offenbarung! Welche Geheimnisse sind dort verborgen? Wer kann sie deuten? Nur der, dem Gott es offenbart. In diesem Buch ist alles gesagt, was war, was ist und was sein wird. Alles, bis auf den letzten Tag dieser Erde! Warum muss man sich mit seinem fleischlichen Verstand erheben und versuchen, dieses zu deuten, so wie einige religiösen Organisationen es versuchen?

Auch die Frage der Erwählung ist ein großes Geheimnis und mit dem Verstand nicht zu verstehen. Wenn der Mensch beginnt, sich darüber Sorgen zu machen, wer erwählt wird und wer nicht, stellt er sich Gott gleich. Er beginnt zu überlegen, ob Gott in allem Recht hat. Vielleicht hat ja Gott jemanden benachteiligt, jemanden vernachlässigt?! Bin ich denn größer als Gott? Liebe ich denn mehr als Gott? Kann ich mir mehr Sorgen um die Menschen machen als Gott? Ich schreibe es nicht, um dir einen Vorwurf zu machen. Ich möchte dich einfach zu dem einfachen Verständnis, zum wahren Glauben bewegen!

Solche Fragen wie diese entstehen dadurch, wenn man etwas nicht verstanden hat oder man hat noch Kenntnisse von der scheinbar gerechten Welt, die man sich irgendwo angeeignet hat. Wenn es in dieser Welt irgendwelche Gerechtigkeit gibt, dann kommt sie vom Gesetz und aus der Angst vor dem Gesetz. Ohne das Gesetz hätten sich die Menschen schon längst gegenseitig umgebracht. Wenn man den Verstand dieser Welt hat, richtet man alles weltlich, nach der Logik dieser Welt. Mit solch einem Verstand kann man das Himmlische nicht begreifen. Wir aber haben den Verstand Christi. Und dieser himmlische Verstand ist für diese Welt nicht annehmbar. Er ist eine Torheit für die Welt. Wenn man sich von dem Wort der Wahrheit ernährt, wird man von der Unwahrheit, von allen falschen Ansichten und Kenntnissen gereinigt, damit unser Glaube rein ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.