Was Ist Religion

Irrtümlicherweise gehen viele Menschen davon aus, dass Religion etwas mit Gott zu tun hat. Sie definieren Gott über ein Bild, das sie von religiösen Einrichtungen haben und behaupten: „Ich habe mit der Religion nichts zu tun“. Aber ist das wirklich so? Denn ungeachtet der Zugehörigkeit zu einer Kirche hat jeder Mensch seine ganz persönliche Definition von „Gut und Böse“, sein eigenes Regelwerk, nachdem er versucht, sein Leben auszurichten.

Jeder Mensch betet etwas an

Es ist seine Sichtweise auf die Dinge und seine Überzeugung; das, woran er seit seiner frühen Kindheit glaubt und es „anbetet“. Das zeugt von einer geistigen Seite des Lebens. Jeder Mensch hat einen Gott, er ist so geschaffen, dass er etwas oder jemanden anbeten muss. In erster Linie ist jeder Mensch sich selbst Gott, es können aber auch die eigenen Kinder, ein Haustier, das Hobby, der Job und vieles mehr sein. Also alles, was im Leben an erster Stelle steht. Wofür man bereit wäre, alles zu geben – das ist dein Gott. Somit ist jeder Mensch von Beginn an religiös, denn er „dient“ seinem Gott und ist bereit, dafür auch die größten Entbehrungen in Kauf zu nehmen.

Die Welt besteht aus Religionen. Nämlich aus Glaubensrichtungen, die einem vorschreiben oder sagen, wie man seinem Gott zu dienen hat. Manchmal ändert die Religion ihr Antlitz oder sogar ihren Gott. Mehr Erkenntnisse, Wissen, neue Errungenschaften erfordern eine adäquate, moderne Religion. Natürlich wird es nicht als Religion dargestellt – aber im Grunde gibt es nichts Neues. Alles spielt sich immer in der Sphäre der Erkenntnis von Gut und Böse ab.

Religion ist ein Regelwerk

Das System „Religion“, das Gut und Böse nach bestimmten Maßstäben definiert, prägt die Welt. Dies zeigt auch, dass im Menschen eine böse Kraft wirkt, die gebändigt werden muss. Keiner möchte böse sein und doch wird er davon gelenkt und beeinflusst, teils gegen seinen Willen. Diese Gesetzmäßigkeit ist überall gegenwärtig. Wenn ein Mensch etwas Böses macht, bereut er es nachdem er wieder „zu sich gekommen ist“. Oft kann er es sich nicht erklären, warum und weshalb er so etwas getan hat. Er wollte es doch eigentlich gar nicht! Was ist dieses Bewusstsein, etwas Schlechtes getan zu haben und warum die Reue hinterher? Dieses Verhalten zeigt, dass der Mensch unter einem Gesetz steht, das ihm zeigt, was gut und schlecht ist. Dieses Gesetz, oder wie man heute dazu sagt „Wertegerüst“, bekommt jeder Mensch von seinen Eltern und der Gesellschaft vermittelt.

Religion fordert das „Gute“ und stellt den Menschen unter das Gesetz

Betrachtet man das System der Religion, so ist dieses einerseits ein Instrument der Bändigung, andererseits ein Instrument des Zwangs. Denn das Regelwerk einer Religion verbietet dem Menschen das zu tun, was er gern tun würde. Wenn ein ernsthaft gläubiger Mensch die Gebote und Verbote der Religion, in der er sich befindet, verletzt, empfindet er es, als ob er gegen den Willen Gottes handelt und das bringt unbedingt ein schlechtes Gewissen mit sich. Denn der Teufel nutzt das religiöse Gesetz zu seinen Gunsten, so dass sich die Schrift erfüllt: „Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft aber der Sünde ist das Gesetz“ (1 Kor 15,56; Röm 7,15-25).

Jede christliche Religion hat außer dem Gesetz noch Gebote, die sich aus dem Gesetz ergeben und den Eifer eines Gläubigen bewerten. Während das Gesetz strikt eingehalten werden muss, erlauben die Gebote eine gewisse Interpretation. Die Gläubigen können sich durch deren Einhaltung von den anderen abheben. Auch Traditionen spielen eine wichtige Rolle in den Religionen. Sie definieren wie die Menschen sich verhalten sollen. Zur Tradition wird z. B. die Form und der Ablauf eines Gottesdienstes. Und es gibt eine Vielzahl von Traditionen, die mit der Zeit zu Geboten der jeweiligen Religion werden und das Leben der Gläubigen bestimmen. So schreibt eine Religion vor, wie man sich in der Ehe, auf der Arbeit, in der Gesellschaft zu verhalten hat. Dadurch bändigt sie den Menschen und bewahrt ihn vor dem Bösen, was in ihm lebt und wirkt. Es ist wie ein Käfig, welcher nicht erlaubt, dahin zu gehen, wohin man gerne möchte. Durch härtere Gesetze wird der Anschein größerer Gefälligkeit vor Gott erweckt. Andererseits werden durch strengere Gesetze die Begierden, die Wünsche und die Lüste im Menschen stärker. Je weniger man darf, desto mehr will man. Auf diese Weise führt der Teufel den Menschen zum größeren Zorn gegen Gott. Die Menschen fragen sich: „Wieso ist Gott so grausam? Wieso antwortet Gott nicht, obwohl ich zu ihm bete?“ Vergleichbar mit einem eingezäunten Tier, dass das Gemüse auf der anderen Zaunseite fressen möchte. Das, was sich im Garten befindet ist anziehend, aber der Zaun erlaubt es nicht. Die Anziehung (der Reiz) wird immer größer und der Zaun stört immer mehr. Schließlich sucht das Vieh den Zaun zu überwinden.

Ausbruch aus einem religiösen Zwang – zur Freiheit?

Zuletzt hält der Mensch es nicht mehr aus, sich an die vielen Verbote und Gebote zu halten, seine Wünsche übersteigen die Angst, und er bricht innerlich aus der Religion aus, in der er sich gerade befindet und beginnt, in Freiheit seinen Wünschen nachzugehen. Der Trugschluss dabei ist, dass dieser Ausbruch zwar das vorhergehende Wertesystem verwirft, doch unweigerlich landet der Mensch in einem anderen Wertesystem, in der nächsten „Religion“. Dieser ganze Prozess, der sich bei den Menschen in der Religion vollzieht, ist von Anfang bis zu seinem Ende ein Prozess außerhalb von Gott. Die Zeit der Religion, welche bis zum Kommen Jesu Christi währte, ist längst vergangen. Sie dauerte nur an, solange das Alte Testament in Kraft war und Gott auf den Glauben und die Werke gemäß des Alten Testamentes antwortete. Damals haben das Leben, der Glaube und die Anbetung nach dem Fleisch Gültigkeit gehabt. Ab dem Kommen Jesu Christi ist eine neue Ära angebrochen.

Die Welt besteht aus Religionen

Die christliche Religion hat das Geheimnis der Erscheinung Christi in diese Welt nicht erkannt. „Denn sie erkennen die Gerechtigkeit nicht, die vor Gott gilt, und suchen, ihre eigene Gerechtigkeit aufzurichten, und sind so der Gerechtigkeit Gottes nicht untertan. Denn Christus ist des Gesetzes Ende, zur Gerechtigkeit für jeden, der glaubt“ (Röm 10,3 f.). Für christliche Religionen ist Gott außerhalb des Menschen und man muss selbst mit der Sünde kämpfen und diese besiegen. Dabei sitzt Gott im Himmel und beobachtet den Menschen, wie er fleißig betet und um Kraft und Hilfe bittet. Doch die Wahrheit ist, dass Gott in dieser Welt nicht zu finden ist. Christus sagte zu seinen Jüngern: Wenn euch die Welt hasst, so wisst, dass sie mich vor euch gehasst hat. […] Haben sie mich verfolgt, so werden sie auch euch verfolgen; […] Wenn ich nicht gekommen wäre und hätte es ihnen nicht gesagt, so hätten sie keine Sünde; […] Hätte ich nicht die Werke getan unter ihnen, die kein anderer getan hat, so hätten sie keine Sünde. Nun aber haben sie es gesehen, und doch hassen sie mich und meinen Vater“ (Joh 15,18-24). Wer hat Christus im Hass der Kreuzigung hingegeben? Das war die Religion. Sie hat ihn verleugnet und ihn aus ihrer Sphäre hinaus gestoßen.