„Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander nehmt, und die Ehre, die von Gott allein ist, sucht ihr nicht?“ (Joh 5,44)

Welch tiefer Sinn doch in diesem Vers verborgen liegt. Er zeigt, dass wenn ein Mensch die Ehre von anderen Menschen sucht, er nicht aufrichtig glauben kann, denn beides schließt sich gegenseitig aus. Diese Worte waren an die Gläubigen, an das Volk Gottes, gerichtet. Aber wie sich herausstellte, war ihr Glaube nur eine Fassade. Sie haben nicht die Ehre von Gott gesucht, sondern liebten und suchten die Ehre voneinander. In solch einem Zustand kann der Mensch zwar nach außen hin tiefgläubig wirken und sich selbst als solchen sehen, doch sein tiefstes Inneres bleibt vom wahren Glauben Gottes unberührt.

Für jeden Menschen ist es ganz natürlich, Ehre zu suchen. Das gesamte Leben ist darauf ausgerichtet. Der Mensch kann auch nicht anders, weil er nach dem Ebenbild Gottes erschaffen ist. Gott sucht auch Ehre: „Ich suche nicht meine Ehre; es ist aber einer, der sie sucht und der richtet“ (Joh 8,50) oder „Ich, der Herr, das ist mein Name; ich will meine Ehre keinem andern geben noch meinen Ruhm den Götzen“ (Jes 42,8). Genauso braucht auch der Mensch Lob und Anerkennung. Es stellt sich nur die Frage: von wem? Denn es gibt die ewige Ehre, die von Gott ist und die Ehre von Menschen, diese ist vergänglich.

Das gesellschaftliche Leben in dieser Welt spiegelt diesen Vorgang, nämlich die Suche nach Lob und Anerkennung, wider. Um die Menschen zu einer bestimmten Arbeit oder Handlung zu bewegen, werden unterschiedliche „Belohnungen“ entwickelt. Es gibt Preise, öffentliche Anerkennungen, Auszeichnungen, Trophäen, Pokale, Ranglisten und vieles mehr. Wenn jemand an der jeweiligen „Belohnung“ interessiert ist, gibt er sein Bestes, um das Ziel zu erreichen. Die Ehre, die er dann empfängt, bringt ihm Freude, er fühlt sich glücklich. Dieses Gefühl leitet den Menschen in seinem weiteren Leben, denn er wird immer wieder danach streben, diese Anerkennung zu erhalten. Das Gegenteil davon ist allerdings auch alltäglich. Jeder von uns weiß wie unangenehm es ist, wenn man beschimpft oder gedemütigt, sozusagen „entehrt“ wird. Das Verehren oder Herabwürdigen der Menschen untereinander bestimmt also das Leben in dieser Welt. Dabei sind diese Glücksgefühle, wenn man Ehre verspürt, nur von kurzer Dauer: „Denn alles Fleisch ist wie Gras und alle Herrlichkeit des Menschen wie des Grases Blume. Das Gras ist verdorrt und seine Blume abgefallen“ (1 Petr 1,24).

Dies offenbarte Jesus Christus sehr klar durch seine Erscheinung in diese Welt. Er zeigte, dass die menschliche Ehre das Verderben mit sich bringt, denn sie ist ein Gräuel vor Gott: „[…] deren Ehre in ihrer Schande ist, die irdisch gesinnt sind“ (Phil 3,19). Christus zeigte in seiner Gestalt die Ehre von Gott, die unvergänglich ist! Seine Jünger sahen sie: „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit“ (Joh 1,14). Und sie haben uns diese Herrlichkeit verkündigt (2 Petr 1,16-18), damit wir uns von der irdischen Ehre absagen und die Ehre Gottes suchen und erlangen können. Denn zu ihr sind wir berufen: „Wozu er euch berufen hat durch unser Evangelium, damit ihr die Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus erlangt“ (2 Thess 2,14) und „Der Gott aller Gnade aber, der uns berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus Jesus […]“ (1 Petr 5,10).

Für einen Christen ist es unerlässlich, nach der Ehre Gottes zu suchen und sich jeder Ehre von den Menschen zu entsagen. Nur ein aufrichtiger und unverfälschter Glauben macht dies möglich. Die Pharisäer, deren gesamtes Leben darauf ausgerichtet war, menschliche Anerkennung und Ruhm zu bekommen, sind uns ein Negativbeispiel. Für sie war es sehr wichtig, dass man gut von ihnen redete. Dafür stellten sie ihre Werke mit Absicht öffentlich zur Schau, sprachen schöne Worte, die sie im Leben aber nicht erfüllten (Mt 23,5). Christus sagte dazu: „Weh euch, wenn jedermann wohl von euch redet! […] aber Gott kennt eure Herzen; denn was hoch ist unter den Menschen, das ist ein Gräuel vor Gott“ (Lk 6,26; 16,15).

Die Bibel spricht auch von Menschen, die an Christus glaubten, doch aus Angst vor den Pharisäern und davor, von der Synagoge ausgeschlossen zu werden, ihren Glauben nicht öffentlich bekannten. Die Ehre der Menschen war ihnen wichtiger als die Ehre von Gott (Joh 12,42 f.). Wenn der Mensch vor anderen wandelt, kann er den Willen Gottes mit Leichtigkeit verwerfen und übertreten, ohne sich der Konsequenzen (bzgl. seiner Errettung) bewusst zu sein. Die Angst davor, von den anderen ausgeschlossen und abgestoßen zu werden ist so groß, dass das Wort der Wahrheit keinen Platz im Menschen hat. Und wie viele Menschen gibt es, die mit ihren Reden und Worten den anderen schmeicheln, um gelobt und anerkannt zu sein? „Denn es wird eine Zeit sein, da sie die heilsame Lehre nicht ertragen werden; sondern nach ihren eigenen Lüsten werden sie sich selbst Lehrer aufladen, so wie ihnen die Ohren jucken, und werden die Ohren von der Wahrheit abwenden und sich zu den Fabeln kehren“ (2 Tim 4,3 f.). Apostel Paulus sprach darüber: „Rede ich denn jetzt Menschen oder Gott zu Dienst? Oder suche ich Menschen gefällig zu sein? Denn wenn ich noch Menschen gefällig wäre, so wäre ich Christi Knecht nicht“ (Gal 1,10). Jesus Christus nahm keine Ehre von den Menschen an (Joh 5,41). So hat er auch gelehrt, in einem Christen haben Heuchelei und der Wandel vor Menschen keinen Platz (Mt 6,1-6). So lebte Apostel Paulus, er war dem Herrn treu und suchte keine Ehre von den Menschen, sondern von Gott (1 Thess 2,3-6). Die Schrift lehrt uns: „ewiges Leben denen, die in aller Geduld mit guten Werken trachten nach Herrlichkeit, Ehre und unvergänglichem Leben“ (Röm 2,7).

Wie äußert sich die Ehre von Gott (oder: Gottes Ehre) im Menschen selbst? Wenn der Mensch die Ehre von Gott empfängt, so wird er unbedingt ein solches Zeugnis in seinem Herzen haben: „Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Kinder Gottes sind. Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Erben Gottes und Miterben Christi […]” (Röm 8,16 f.). Und dieses Zeugnis äußert sich wiederum in Gefühlen: „Denn das Reich Gottes ist […] Gerechtigkeit und Friede und Freude im Heiligen Geist” (Röm 14,17).