Was Ist Sünde?

Ein jeglicher Christ, der ernsthaft an Gott glaubt, möchte nicht sündigen. Daher tun viele Gläubige immer wieder Buße und sagen sich von all ihren sündhaften Taten ab. Sie versuchen mit aller Kraft, den eigenen Vorstellungen vom Christsein zu entsprechen – doch die Heiligkeit und Gerechtigkeit bleiben ein unerreichbares Ziel am weiten Horizont. Denn die „Früchte“ der Sünde wachsen immer wieder nach und entfalten sich aufs Neue. Es ist wie beim Unkraut – solange die Wurzel noch da ist, wächst es immer wieder nach und bringt seine „Früchte“. Genauso nimmt auch der inwendige Kampf mit der Sünde nie ein Ende, wenn die wahre Ursache der Sünde nicht verstanden und entfernt wird.

Was ist die Sünde?

Um sich ein für alle Mal von der Sünde zu befreien und damit die Heiligkeit zu erlangen, muss man erst verstehen was die Sünde tatsächlich ist. Denn jeder, der sich mit dem Glauben beschäftigt, hat eine Vorstellung davon. Doch entspricht diese der Heiligen Schrift? Meistens werden bestimmte Handlungen und Taten als Sünde verstanden und mit folgenden Versen untermauert: „Offenkundig sind aber die Werke des Fleisches, als da sind: Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Hader, Eifersucht, Zorn, Zank, Zwietracht, Spaltungen, Neid, Saufen, Fressen und dergleichen“ (Gal 5,19 f.). Verkannt wird aber, dass diese aufgezählten Taten nicht die Sünde an sich, sondern nur deren Folge sind. Die tatsächliche Sünde hat eine viel tiefere Wurzel. Die Schrift sagt Folgendes: „Deshalb, wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und der Tod durch die Sünde, so ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben“ (Röm 5,12).

Die Sünde ist der Unglaube an die Wahrheit

Die Sünde ist durch die ersten Menschen in die Welt gekommen, weil sie dem Wort Gottes nicht gefolgt sind. Doch der Ungehorsam ist nur eine Folge der Sünde. Die Sünde selbst ist der Glaube an das falsche Wort. Als Gott sein Wort gesprochen hat, hat die Schlange es verdreht und als ihr eigenes ausgegeben. Durch den Glauben von Adam und Eva an dieses verfälschte Wort wurde der irdische, teuflische Geist zum Leben erweckt. „[…] Wenn er Lügen redet, so spricht er aus dem Eigenen; denn er ist ein Lügner und der Vater der Lüge“ (Joh 8,44).

Die Sünde ist also eine falsche Lehre, der Unglaube an die Wahrheit. „Und wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht; über die Sünde: Dass sie nicht an mich glauben“ (Joh 16,8 f.).

Das Wort der Wahrheit und das Wort der Lüge

Weiter wird gesagt, dass das Wort der Wahrheit Fleisch geworden ist. Jesus Christus ist im Leib erschienen und hat die Erlösung für alle vollbracht. Gott hat sich der Menschheit als sein Wort offenbart und kann nicht anders erfahren werden. Dieses Wort ist die Wahrheit (Joh 17,17), die Wahrheit aber ist der Heilige Geist (1 Joh 5,6). Auch der Teufel tritt durch das Wort in Erscheinung, durch das Wort der Lüge und auch sein falsches Wort ist ein Geist. Ein Geist, der den Tod in sich birgt. Es sind also zwei Gegensätze, die sich gegenseitig ausschließen. Gott ist das Wort der Wahrheit, der Geist des Lebens, der Heiligkeit mit sich bringt. Der Teufel, der sich durch die Lüge äußert, ist der Geist des Todes und hat den Zustand der Sünde inbegriffen. Als der Mensch der Lüge Glauben schenkte, hat er die Sünde selbst, das Wesen des teuflischen Geistes, aufgenommen. Dieser Geist durchdringt den Menschen und wirkt auf seinen Verstand und seine Gefühle. Der Blick und die Wahrnehmung werden durch die Lüge geprägt und gesteuert und bringen entsprechende Taten und Handlungen hervor. Diese sind die Folgen der Sünde.

Handlungen sind immer eine Frucht des Geistes

Wenn der Mensch Jesus Christus nicht glaubt, wenn er nicht an die reine Lehre Gottes glaubt, ist er in der Sünde. Nur Christus selbst ist der Weg und die Wahrheit und das Leben. Nur er allein! Deshalb gibt es auch nur eine wahre Lehre, einen wahren Glauben (Eph 4,5).

Sobald also der Glaube eines Menschen von der reinen Lehre auch nur im Geringsten abweicht, wird der Mensch sein Leben lang mit den Früchten der Sünde fechten und doch nie die Heiligkeit erlangen können. Diesen nie endenden Kampf mit den sündhaften Taten in sich selbst beschreibt das Kapitel 5 an die Galater. „Ihr lieft so gut. Wer hat euch aufgehalten, der Wahrheit nicht zu gehorchen? Solches Überreden kommt nicht von dem, der euch berufen hat. Ein wenig Sauerteig durchsäuert den ganzen Teig“ (Gal 5,7-9). Die Galater haben an ein falsches Wort geglaubt und dem Teufel Raum gegeben. Die Folgen davon sind in den Versen 19 bis 21 aufgezählt und zeigen deutlich ihren Zustand. Sie sind von der Gnade Christi abgefallen und haben sich vom anderen Geist führen lassen. Der Ausweg aus solch einer Situation ist nicht das Unterlassen der aufgezählten Taten, denn das Problem liegt viel tiefer. Die Handlungen sind immer eine Frucht des Geistes, der in dem Menschen lebt. Die Galater mussten sich vom falschen Glauben reinigen. Nur durch das Absagen von der falschen Lehre und das Annehmen der wahren Lehre würden die fleischlichen Taten abfallen und die Früchte des göttlichen Geistes folgen.

Der nie endende Kampf mit der Sünde

Richten wir nun unseren Blick auf die heutige religiöse Welt. Womit sind die Gläubigen in den christlichen Religionen immerzu beschäftigt? Alle kämpfen mit den Früchten der Sünde. Keiner versucht die Ursache und die Quelle der Sünde zu ergründen und sich vom falschen Glauben und den falschen Vorstellungen über Gott zu lösen. Der Widersacher bleibt verborgen und wirkt weiterhin unbemerkt durch sein falsches Wort. Die Menschen sind betrogen, denn von den Kanzeln werden der natürliche Zustand der Sünde sowie der Kampf mit dem Fleisch bis ans Lebensende gepredigt. Der Zustand, heilig und gerecht zu sein, bleibt für den Menschen unerreichbar, denn die Früchte der Sünde wachsen immer wieder nach und verleihen der Schuld immer mehr Kraft. Ein ewiger Kreislauf von Schuld und Sühne.